Bericht der Rheinischen Post vom 15.09.2017

 

Kamp-Lintfort/Sevelen

Mit 15 Jahren schon ein Bergwerksfan

 

 

Der Hobby-Fotograf Mika Eickmans ist seit 2016 Mitglied der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition. Seine Vereinskollegen sind fast alle über 60 Jahre alt. FOTO: Klaus Dieker

Kamp-Lintfort/Sevelen. Mika Eickmans ist mit Abstand jüngstes Mitglied der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition. Mit dem Fotoapparat dokumentiert er den Wandel des Kamp-Lintforter Bergwerks West. Von Peter Gottschlich

"Du bist bekloppt." Diesen Spruch bekommt Mika Eickmans oft von seinen Klassenkameraden der Geschwister-Scholl-Hauptschule in Geldern zu hören. Schließlich hat der 15-jährige Sevelener ein besonderes Hobby. Der Schülersprecher fotografiert in seiner Freizeit Bergwerke, vor allem das Lintforter Bergwerk West. "Jedes Mal, wenn ich da bin, hat sich etwas verändert", erzählt er. "Im Zentralmaschinenhaus sind immer wieder neue Maschinen ausgebaut." Tausende Fotos hat er bereits geschossen. "Ich weiß gar nicht, wie viele", schmunzelt er. "Gespeichert habe ich über 1000 Terabyte."

Der Zehntklässler kam zufällig zur Bergbaufotografie. "Im Sommer 2015 hat mich Klaudia de Vos angesprochen", blickt er zurück. "Sie hat gerade einen Bauernhof in Sevelen fotografiert, der vor dem Abbruch stand. Sie hat mich gefragt, ob ich fotografieren könne." Die Kamp-Lintforterin, die den Abbruch der Zeche dokumentiert, und der Schüler kamen ins Gespräch. Er begleitete sie bei einer Fototour und wurde vom Reiz der Ruinenromantik erfasst. Dazu kam die familiäre Tradition "Mein Vater Walter Eickmans hat 30 Jahre auf dem Pütt gearbeitet", berichtet er. "Mein Onkel und mein Patenonkel sind auch eingefahren." Deshalb kaufte er sich eine eigene Kamera, ein digitale Spiegelreflexkamera, um Fotos zu schießen. Er knüpfte schnell Kontakt zu den Bergleuten, die sich um den Lehrstollen auf dem Bergwerksgelände kümmern. Schon Anfang 2016 wurde er Mitglied der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein. "Er ist mit Abstand unser jüngstes Mitglied", berichtet Norbert Ballhaus als stellvertretender Vorsitzender dieser Fördergemeinschaft. "Insgesamt haben wir 615 Mitglieder. Die meisten davon sind über 60 Jahre alt, wie in vielen anderen Vereinen. Wir sind froh, Mika als junges Mitglied zu haben."

Der 61-jährige Ex-Markscheider kann sich vorstellen, mit Mika Eickmans Leidenschaft für die Bergbaufotografie weitere junge Mitglieder für die Fördergemeinschaft zu gewinnen, beispielsweise wenn er in Schulen mit Projekten wirbt. Der junge Fotograf will weiter machen, selbst wenn es ihn nicht beruflich nicht in den Bergbau und in die Fotografie zieht, sondern in den Garten- und Landschaftsbau. Sein zweites Schulpraktikum absolviert er demnächst beim Garten- und Landschaftsbauer Düllings in Sevelen. Die Fotomotive gehen ihm nicht aus. "Ich war noch nie auf dem großen Förderturm", blickt er auf die 66 Meter hohe Plattform dieses roten Betonkolosses, der ein Wahrzeichen Kamp-Lintforts ist. "Der Ausblick muss fantastisch sein. Vielleicht klappt es einmal, wie mit einer Grubenfahrt auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop. Für die muss ich aber 18 sein."

Der Ausblick über das Friedrich-Heinrich-Quartier und den Niederrhein ist im Wandel. Anfang 2019 beginnen die Erdarbeiten, um das Quartier für die Gartenschau 2020 vorzubereiten. Einen eigenen Helm hat der junge Fotograf Mika Eickmans dort schon, einen gelben mit der Aufschrift "M. Eickmans". "Ich komme mit den Kumpeln gut zurecht", sagt er und lacht.

Kontakt: Mitglieder der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition treffen sich jeden Dienstag ab 10 Uhr im Knappenheim, das nah der Einmündung der Schulstraße in die Mittelstraße in Kamp-Lintfort liegt.

Quelle: RP