Auf den Spuren ihrer Vorfahren am 19. Oktober 2013

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Die Namen Bleckmann und Kellermann spielten auf unterschiedlichen Gebieten eine Rolle in Kamp-Lintfort und auf der Zeche Friedrich Heinrich.

 

Bleckmann war eine Bau-Unternehmung, die die übertägigen Gebäude der Zeche, Teile der Zechensiedlung und die Christus-Kirche gebaut hat.

 

Herr Ernst Kellermann war der erste Markscheider auf der Schachtanlage. Sein Wohnhaus, die Villa Kellermann, steht an der Ecke Friedrich-Heinrich-Allee / Friedrichstraße und gehört heute dem Studentenwerk Düsseldorf.

 

Frau Lore Beusch, geborene Bleckmann, Enkeltochter des Markscheiders Kellermann, plante ein Familientreffen in Kamp-Lintfort und bat Herrn Manfred Reis von der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V. um Unterstützung bei der Organisation ihres Wunsch-Programms.

 

Nach Absprachen mit dem Studentenwerk Düsseldorf und der evangelischen Christus-Gemeinde, denen beiden hier gerne noch einmal Dank gesagt wird für die bereitwillige Mitarbeit, konnten Frau Beuschs Wünsche umgesetzt werden.

 

Auf die Begrüßung der Familien-Gruppe – sie umfasste ca. 25 Personen – durch Herrn Manfred Reis von der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V. im Hotel Casino im Park folgte der Gang zur Villa Kellermann.

 

Herr Heinz-Walter Pfeiffer, Leiter der Bauabteilung beim Studentenwerk Düsseldorf, führte die Besucher durch die Innenräume der Villa und durch die sie umgebende Parkanlage. Das Gebäude umfasst inklusive dem voll ausgebauten Souterrain nahezu 400 Quadratmeter Wohnfläche, das Grundstück ist rund 2.400 Quadratmeter groß. Die Villa befindet sich weitgehend im äußeren Zustand, wie sie vor einem Jahrhundert im traditionellen Heimatschutzstil erbaut wurde. Denn der Backsteinexpressionismus, der zur gleichen Zeit in der Beamtensiedlung auf Ornamentik mit Ziegeln setzte, schien dem Markscheider zu schnörkellos und zu wenig repräsentativ gewesen zu sein.

Im Innern ist die Villa durch umbauten verändert worden und ist in keinem guten Zustand. Die schöne und repräsentative Ausstattung des Hauses wie zu Zeiten der der Familie Kellermann ist kaum noch zu erahnen. „Alles ist so wie 1924, als es bezogen wurde, zumindest im Erdgeschoss“, sagt Herr Pfeiffer. Die Villa befand sich damals im Eigentum des Bergwerkes „Friedrich Heinrich“.

 

Im großzügigen Foyer des Hauses befinden sich, wie in einem Schloss, noch Säulen. Eine breite Treppe führt ins Obergeschoss. Die Wände sind mit Eichenholz vertäfelt, denn der Markscheider wollte bei der Ausstattung nicht hinter dem technischen und dem kaufmännischen Direktoren zurückstehen, die in den 1920er Jahren auch so in Villa A und der Villa B auf der Friedrich-Heinrich-Allee wohnten. Vom Foyer öffnete sich eine Doppeltür zu einem Empfangszimmer, durch dessen runder Apsis die Besucher einen Blick in den Garten haben. In der ersten Etage waren die Schlafräume der Familie. Unter dem Dach wohnten die Hausangestellten.

 

„Wir haben die Villa mit Grundstück gekauft, um die Abstandsflächen zu bekommen, die für unser Studentenwohnheim notwendig sind“, sagt Heinz-Walter Pfeiffer. Der Bau dieses Wohnheims soll im nächsten Jahr beginnen, wenn der Bebauungsplan geändert und die Baugenehmigungen erteilt sind. Es sollen 120 Apartments für Studenten entstehen, die inklusive aller Nebenkosten 300,00 € Miete im Monat kosten sollen. In der Villa Kellermann sollen im ersten Geschoss und unter dem Dach Zimmer für Gastdozenten und Gaststudenten entstehen. Im Erdgeschoss könnten es Büros und Räumlichkeiten für Empfänge der Hochschule geben. „Zurzeit sind das noch Ideen“, sagt Heinz-Walter Pfeiffer, der erzählt, als Kind des Ruhrgebietes sei er ein wenig in die Architektur der Zechenbarone verliebt.

 

Auf dem Gelände der Hochschule Rhein-Waal hinter der Villa befand sich früher der Lagerplatz der Firma Bleckmann.

 

Es folgte eine kurze Besichtigung des ABC-Gebäudes (Allgemeine Brennstoffhandelsgesellschaft m.b.H. in Camp-Lintfort). Die Brennstoffhandelsgesellschaft vermarktete sämtliche Produkte der Zeche und Kokerei Friedrich Heinrich. Anschließend ging der Weg weiter zur Christuskirche.

 

Am 01. Mai 1907 erfolgte der erste Spatenstich der Zeche Friedrich Heinrich, welche am 01. Juli 1912 die Kohleförderung aufnahm. Durch den nun folgenden Bau der Werkssiedlungen der Zeche sowie der gleichzeitig in Betrieb gekommenen Ziegelei Pauen in Kamperbruch bildete sich auf freier Fläche ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet. In den Jahren 1928 bis 1930 wurde in Kamp-Lintfort die Christuskirche als Hauptkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Lintfort errichtet. Diese Gemeinde hatte seit 1914 in der Zechensiedlung eine Notkirche unterhalten.

 

Der Küster Herr Wiesner stellte die Geschichte der Kirche dar und führte die Gäste bei der Besichtigung des Innenraumes.

 

Es schloss sich ein Spaziergang durch die Beamtensiedlung der Zeche (Angestelltenwohnungen des Bergwerks) an, der die Gruppe zurück zum Casino im Park brachte.

 

Frau Beusch bedanke sich auch im Namen ihrer Familie ganz herzlich bei Manfred Reis, der den Rundgang durch seine Erläuterungen sehr interessant gestaltet hatte.

 

 

Quellen:

- Rheinische Post vom 01. Juni 2013

- www.wikipedia.org