Reisebericht 2010

 

Helmut Beier und Manfred Braems veranstalteten auch in diesem Jahr eine interessante Fahrt für die Reisefreunde in der Fördergemeinschaft. Es ging in den schönen Harz nach Hahnenklee, und zwar vom 20. bis 26. Juni und vom 27. Juni bis zum 03.Juli.

Ausgeruht und gut gelaunt trafen wir uns am Knappenheim, und um 08:00 Uhr ging es los. Manche Teilnehmer hatten sich ein Jahr lang nicht gesehen, und so gab es unterwegs viel zu erzählen. Nach ca. zwei Stunden wurde auf einem Rastplatz das obligatorische Picknick eingenommen, und weiter ging es. Bald kreisten auch, wie an allen anderen Tagen, die Flaschen mit den „Herztropfen“ im Bus.

Unser Domizil „Hotels am Kranichsee“ war sehr komfortabel mit Hallenbad, Sauna und einem herrlichen Ausblick auf den See mit Fontäne. Für das leibliche Wohl sorgten reichhaltige Buffets zum Frühstück und am Abend, die keine Wünsche offen ließen. Die Kalorien ließen wir für eine Woche außer Acht! Das Personal war flink, freundlich und hilfsbereit; besonders ein Kellner, der bei aller Schnelligkeit immer noch Zeit für einen flotten Spruch und ein Späßchen fand, machte uns viel Vergnügen.

Hahnenklee ist eine kleine Kurstadt im Nordharz, die zu Wanderungen um die beiden Seen und in den angrenzenden Wald einlädt. Auch Paul Lincke, der Berliner Operettenkomponist, fühlte sich hier wohl und verbrachte seinen Lebensabend in dem Ort. Auf dem Friedhof fand er seine letzte Ruhestätte. Sein Wohnhaus ist heute Museum und bietet Touristen eine Stätte der Erinnerung.

Auf einer Anhöhe steht die Gustav-Adolf-Kirche, die heute einzige Stabholzkirche Deutschlands. Sie entstand Anfang des 20. Jahrhunderts im Stil norwegischer Stabkirchen. Der Innenraum, einem Schiff nachempfunden, hat eine gute Akustik, wovon wir uns bei einem Konzert überzeugen konnten.

Eine weitere Ausflugsmöglichkeit ist der Bocksberg, den man per Seilbahn oder zu Fuß erklimmen kann. Mit einer herrlichen Aussicht auf Hahnenklee wird man belohnt. Wer gut zu Fuß ist, genießt unterwegs auf dem „Liebespfad“ viele lustige Paar-Rastmöglichkeiten.

Am Montagmorgen gesellte sich der Reiseleiter zu uns, der uns bis Donnerstag begleitete. Er erzählte uns unterwegs lokale Märchen und Sagen, deren es im Harz überaus viele gibt, berichtete von alter und neuer Geschichte in der Region, machte uns immer wieder aufmerksam auf die zahlreichen Wasserläufe, Seen und Teiche, die zusammen das Oberharzer Wasserregal bilden. Es diente der Energiegewinnung im vorindustriellen Bergbau und wurde in diesem Jahr in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen.

Im Folgenden erzählen wir von Orten, an oder in denen wir waren oder auf die wir beim Fahren aufmerksam gemacht wurden.

 

Brocken

Der Brocken ist der höchste Berg im Harz. Mit der Dampflokomotive fuhren wir in Nostalgiewagen (Holzbänke oder Plastik-Sitze, schlecht gefedert) von Wernigerode aus in zweistündiger Fahrt hinauf – für uns ein Erlebnis, für die Strecken-Anwohner wegen des Lärms und Rußes sicherlich eine Plage. Oben bietet sich ein faszinierender Ausblick auf den Harz, mit Glück bis zum Kyffhäuser, in dem Kaiser Barbarossa schlafen muss, solange die Raben um den Berg fliegen. Alle hundert Jahre wacht er auf und schaut nach; aber die schwarzen Vögel kreisen bis heute um den Berg.

Auf dem Brocken gibt es u.a. eine Wetterstation, einen Funkturm, ein Hotel und Lokalitäten mit Harzer Spezialitäten. Und natürlich fehlen ein Heine-Denkmal nicht und eine Gedenktafel an Goethe, dessen Walpurgis-Nacht im „Faust“ auf dem Brocken spielt.

Einige von uns gingen den Rundwanderweg ab, und nachdem alle sich gestärkt hatten, ging es mit dem Zug wieder hinab und mit dem Bus heimwärts Richtung Hotel.

 

Clausthal-Zellerfeld

Die Stadt entstand erst 1924, als die beiden freien Bergstädte Clausthal und Zellerfeld vereinigt wurden. Bereits 1775 wurde die Bergakademie Clausthal gegründet, die heute Technische Universität ist.

 

Goslar

Goslar, die alte Kaiser- und Handelsstadt, ist die „Haupt-Stadt“ am Nordwestrand des Harzes. Schon im 10. Jahrhundert blühte die Stadt durch Bergbau auf. Sie besitzt einen ausgedehnten historischen Stadtkern, der gemeinsam mit den Bergbau-Anlagen am Rammelsberg seit 1992 Weltkulturerbe der UNESCO ist. Der Sage nach geht der Name Rammelsberg auf den Ritter Ram und seinen Rappen zurück, die hier als erste auf reiche Silberadern stießen.

Wir besichtigten die Kaiserpfalz, deren Bau 1005 begann. Die heutige Anlage ist eine Rekonstruktion aus dem 19. Jahrhundert. Riesige Wandgemälde im Kaisersaal schildern Ereignisse aus der deutschen Geschichte und wurden uns von einem Führer unterhaltsam erläutert.

Beim anschließenden Bummel durch die Altstadt bewunderten wir die prachtvollen Fachwerkhäuser. Im Schnitzwerk eines solchen entdeckten wir den Spruch:

 

„Bergleut` haben Verstand und eine arbeitsame Hand.“

 

Hervorragende Bauten sind das „Brusttuch“ (heute Hotel) und das Stammhaus des Firmengründers Siemens.

Mittelpunkt der Altstadt ist der Marktplatz mit dem Marktbrunnen, dem Rathaus und dem gegenüber liegenden Kämmereigebäude, dessen kunstvolles Glocken- und Figurenspiel wir um 12:00 Uhr hören und anschauen konnten. Anschließend ließen wir uns zu einem Eis verführen oder genossen eine Tasse Kaffee. Dann ging es hotelwärts.

 

Ilsenstein

Heinrich Heine, 1797 in Düsseldorf geboren und gewiss allen Leserinnen und Lesern durch das Gedicht/Lied „Loreley“ bekannt, begab sich von hier aus auf seine Brockenwanderung, die in seinem Buch „Harzreise“ ihren Niederschlag fand. Ein bisschen Heine gefällig?

 

Ich bin die Prinzessin Ilse

und wohne im Ilsenstein.

Komm mit nach meinem Schlosse;

wir wollen selig sein.

...

 

 

 

Okertalsperre

Beim „Windbeutelkönig“ wurde unser Bus, wie jeder ankommende, mit fröhlichem Glockengeläut empfangen, und bei herrlichem Sonnenschein genossen wir im Garten mit Blick auf das Wasser der Okertalsperre Windbeutel in unzähligen Variationen, natürlich alle mit viieel Sahne!

 

Quedlinburg

Wegen des kunsthistoristischen Wertes der Stadt steht seit 1994 Quedlinburg mit dem Schlossberg, der Stiftskirche samt Domschatz sowie über 1.200 Fachwerkhäusern aus sechs Jahrhunderten auf der Welterbeliste der UNESCO.

Wir verweilten nur recht kurz in der Stadt, die auch mit Amalie, Prinzessin von Preußen, verbunden ist. Ihr Bruder Friedrich der Große, König von Preußen, machte sie zur Äbtissin des Stiftes. Allerdings weilte sie nur selten dort; die Ernennung diente ihrer standesgemäßen Versorgung, weil sie unverheiratet blieb. Vielleicht ist sie der einen oder dem anderen bekannt durch die TV-Verfilmungen (1973: gut, 2003: weniger überzeugend) des Lebens des Friedrich Freiherrn von der Trenck, der in seinen Lebenserinnerungen behauptet, eine Liebesbeziehung zu ihr gehabt zu haben. Fest steht, dass Friedrich der Große ihn, an Leib, Händen und Füßen gefesselt, neun Jahre lang in Magdeburg in Einzelhaft gefangen hielt, bis ihm schließlich die Flucht gelang.

Auf dem Weg zum Schloss hinauf kommt man am Finkenherd vorbei, wo dem Sachsen-Herzog Heinrich die Nachricht von seiner Wahl zum deutschen König überbracht wurde. Davon erzählt das Lied „Herr Heinrich saß am Vogelherd recht froh und wohlgemut.“ Vielleicht haben Sie es in Ihrer Schulzeit gesungen?

 

Teufelsmauer

Ein Stück Strecke führte uns an der Teufelsmauer entlang. Das sind Felsen aus Sandstein, die sich wie eine Mauer senkrecht aus der Landschaft erheben.

 

Thale

Der Hexenplatz Thale liegt auf einem Felsen, der sich senkrecht aus dem Bode-Tal erhebt. Eine Naturbühne schmiegt sich terrassenförmig in den Hang. Der Blick auf der Höhe geht über das Bode-Tal hinweg zur Rosstrappe mit der Sage von der schönen Prinzessin Brunhilde, bei der sich Bodo Jesse, obwohl er doch so gar nichts mit dem schrecklichen Ritter Bodo gemein hat, sicher einige scherzhafte Bemerkungen anhören musste!

Die Hexen im Harz, sagte unser Reiseleiter, waren positiv besetzt. Sie galten als kräuterkundige Helferinnen und fegten mit ihren Besen den Winter hinweg.

Mit dem Bus fuhren wir wieder hinunter, hätten aber auch den Harzbob benutzen können, mit dem man schneller als auf einem Hexenbesen bergab rasen kann.

 

Torfhaus

In Torfhaus befindet sich die zentrale Informationsstelle des Nationalparks Herz. Sie bietet eine Ausstellung mit Dia-Ton-Show und Souvenirs an. Von hier aus hat man einen schönen freien Blick auf den Brocken.

 

Wernigerode

Wernigerode ist eine Stadt mit gut restaurierten Fachwerkhäusern. Mit einer Bimmelbahn fuhren wir über holpriges Kopfsteinpflaster hinauf auf den Schlossberg und genossen die schöne Sicht auf den Ort.

Zu Wernigerode gehört seit Anfang des 20. Jahrhunderts Hasserode, wo das Hasseröder Bier, eines der deutschen Spitzenbiere, gebraut wird. Wir kamen mehrmals an der Brauerei vorbei und meinen, manch sehnsüchtigen Blick gesehen zu haben, der aus dem Bus zu den zahllosen aufgestapelten Bierkästen wanderte.

 

Der letzte Tag

stand zur freien Verfügung. Bei der gemeinsamen Kaffeetafel am Nachmittag kamen wir zu dem Schluss, nach dieser Woche könnten wir schon verstehen, dass Goethe und Heine von ihren Harzreisen viele Anregungen für ihre Werke mitgenommen haben.

Es war wieder eine schöne Fahrt, und das wurde auch abends an der Bar begossen. Wir freuen uns schon auf die Reise im nächsten Jahr. Mit welchem Ziel?

 

Wir danken den Organisatoren, die hervorragende Arbeit geleistet haben!

 

 

Text: Heidi Schmitz / Hanna Walgarth

Fotos: Bodo Jesse