„IN ERINNERUNGEN SCHWELGEN“

 

 

Im „Haus des Bergmanns“ in Kamp-Lintfort wurde gestern der Architekt Günter Brauckhoff als 5.000. Besucher begrüßt.

 

Schwelgen in Erinnerungen an den ursprünglichen Zustand von Häusern in alten Zechensiedlungen wollte Günter Brauckhoff. Damit wurde der 76-Jährige gestern als 5.000. Besucher im „Haus des Bergmanns“ an der Ebertstraße 88 begrüßt. Zu diesem besonderen Ereignis überreichte Manfred Stratenhoff, Vorsitzender der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition, dem Gast eine schöne Grubenlampe.

 

Obwohl Brauckhoff ebenfalls der 1987 gegründeten und 614 Mitglieder starken Gemeinschaft angehört, hatte er das Gebäude zuvor lediglich in der Umbauphase erlebt, die am 17. Mai 2005 ganz offiziell mit einer Grundsteinlegung eingeleitet worden war. Besonders beeindruckte ihn jetzt die Ursprünglichkeit, in der die Fördergemeinschaft mit Unterstützung örtlicher Handwerker, dieses kleine Museum gestaltet hat.

 

Als Architekt war Brauckhoff von 1988 bis 1994 an vielen Wohnungssanierungen in der Meerbecker Altsiedlung beteiligt gewesen. Er bedauerte, dass mit dem Umbau zu zeitgemäßem Wohnkomfort vieles zerstört worden sei. Um so mehr begrüßte der Senior, dass dank der Kamp-Lintforter Fördergemeinschaft auch den nachrückenden Generationen veranschaulicht werden kann, wie die Bergarbeiterfamilien früher gelebt haben.

 

Zimmer mit hohem Wiedererkennungswert

 

Überhaupt stellte Günter Brauckhoff fest, dass auch die Bewahrung des Wohnumfeldes in der Siedlung in Kamp-Lintfort besser geglückt sei als in Moers. Das hören Manfred Stratenhoff und seine Mitarbeiter ebenfalls gerne, die die Räume in dem Gebäude, das aus dem Jahr 1913 stammt, so gestaltet haben, dass der Besucher den Eindruck gewinnt, die Bewohner seien mal eben aus dem Zimmer gegangen. „Wir wollen einen Wiedererkennungswert schaffen, damit Besucher sagen, bohhh, das kenn ich auch noch von meinem Opa“, erklärte Manfred Reis die Zielsetzung der Fördergemeinschaft.

Er kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit im „Haus des Bergmanns“, zu dem auch ein großer Aufenthaltsraum im Keller gehört, der Eindrücke von einem Streb vermitteln soll. Viele der Zier- und Gebrauchsgegenstände in dem Museum, das am 19. März 2006 feierlich eröffnet worden war, wurden spendiert. Manfred Stratenhoff erzählte, dass er manchmal über Land fährt, um irgendwo eine alte Schnibbel- oder Nähmaschine abzuholen.

„Wir leben von den Sachen, die uns die Leute bringen.“ Auf diese Weise können unter andrem Lampen bewundert werden, die hölzerne Lampenschirme mit den kunstvollen Sägearbeiten eines Bergmanns zieren.

Manfred Reis freut sich besonders, wenn Kindergartengruppen das „Haus des Bergmanns“ besuchen und über Dinge staunen, die sie kaum noch oder gar nicht mehr kennen. Wie beispielsweise Weckgläser, in denen auch Pflaumen konserviert sind, die ein junger Besucher schon mal für Chips gehalten hat. Im Museumsgarten wird mit Äpfeln, Bohnen, Kartoffeln und anderem mehr angebaut, was früher wichtig war.

Sein besonderes Interesse für den Bergbau begründete Günter Brauckhoff auch damit, dass sein Vater Bergmann war. Sein Fazit nach einem Rundgang durch das Museum: „Dadurch, dass ich in Meerbeck gearbeitet habe, ist mir das alles nicht fremd. Was man hier gemacht hat, ist für die Nachwelt bewundernswert.“

 

Quelle:

NRZ vom 23. Oktober 2010