Gedicht von Christiane Brodermann

Ein Tag wie jeder andere


Noch bevor der Wecker klingelt,

schlägt er seine Augen auf.

Räkelt sich noch mal genüsslich:

Dann beginnt des Tages Lauf.

 

Seine Frau ist schon am Werke,

macht die Brote ihm zurecht.

Etwas Obst, etwas Gemüse,

nichts, was er nicht mögen möcht`.

 

Dann kommt alles in die Tasche,

für den Schweiß ein neuer Schal.

Wichtig ist die Grubenflasche,

ohne diese wär`s fatal.

 

Noch ein Kuß, ab durch die Mitte

Mit dem Fahrrad geht es los.

Pünktlich muß er an dem Korb sein,

denn sonst wär der Ärger groß.

 

In der Kaue hängt der Püngel.

Weiß und Schwarz wird schnell getauscht.

Grubenlampe, Flasche füllen.

Dann wird in den Schacht gerauscht.

 

Hui, der Korb saust in die Tiefe.

Unten wartet schon die Bahn.

Ratternd geht es bis zum Streb hin.

Und dann fängt die Arbeit an.

 

Nur die Lampe auf dem Kopfe

zeigt ihm, wo er schaffen muß.

Manchmal denkt er an zu Hause

und an ihren Morgenkuß.

 

Hitze wie im höchsten Sommer,

Zugwind aus dem Wetterschacht.

Und er sehnt sich nach der Sonne

in der tiefen dunklen Nacht.

 

 

 

Doch auch diese Schicht mal endet.

Aufwärts geht`s in schneller Fahrt.