„Erinnert Euch der Toten“

 

Volkstrauertag am 16.11.2014

 

Im Jahre 1919 wurde der Weimarer Republik vorgeschlagen, zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten, einen Volkstrauertag einzuführen. Infolgedessen fand der erste Volkstrauertag am 26. Februar 1926 statt, wurde jedoch nicht zum gesetzlichen Feiertag erklärt. 1934 wurde er im Zuge der nationalsozialistischen Diktatur in den Heldengedenktag  umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Tradition des Volkstrauertags in den westlichen Besatzungszonen ihre ursprüngliche Form zurück. Der Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge initiierte 1950 die erste zentrale Veranstaltung zum Volkstrauertag im Bundestag in Bonn. Parallel dazu wurde in der DDR der „Internationale Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg“ eingeführt und mit der Wiedervereinigung wieder abgeschafft. Um den Volkstrauertag deutlich vom Heldengedenktag abzugrenzen, wurde er auf das Ende des Jahres verschoben, welches theologisch gesehen mit den Themen Zeit, Tod, und Ewigkeit in enger Verbindung steht.

 

In Deutschland findet jedes Jahr zum Volkstrauertag eine Gedenkstunde im Deutschen Bundestag statt.

 

Der Bundespräsident Joachim Gauck hielt im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes  in Anwesenheit des Kabinetts und des Diplomatischen Korps eine Ansprache. An der Gedenkstätte „Boulevard unter den Linden“ legte er einen Kranz nieder. Traditionell werden zudem in vielen Regionen unseres Landes Kranzniederlegungen durchgeführt. Die Flaggen der Bundesbehörden und ihrer Aufsicht unterstehenden Geschäftsbereiche wehen auf Halbmast, was für die Trauerbeflaggung steht.

 

In England wird das Remembrance Day Weekend veranstaltet, wobei am 11. November zwei Schweigeminuten gehalten und künstlichen Mohnblumen verkauft werden. Sie sollen an die vom Blut rot gefärbten Felder im Ersten Weltkrieg erinnern. Auf die gleiche Art und Weise wird der 11. November in Kanada begangen. In den USA hingegen dient dieser Tag der Erinnerung und Würdigung aller Veteranen der Weltkriege.

 

9,5 Millionen Menschen starben im Ersten und mehr als 55 Millionen im Zweiten Weltkrieg. Viele davon liegen namenlos irgendwo begraben, ohne dass ihre Angehörigen sie jemals besuchen konnten. Alle anderen wurden oft auf Initiative des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf Soldatenfriedhöfen in ihrer Heimatregion beerdigt. Auch Kamp-Lintfort hat einen Soldatenfriedhof, auf dem insgesamt 1.756 Tote aus zwei Weltkriegen liegen, darunter 50 Frauen und 40 Kinder.

 

Ein wolkenverhangener Himmel und strömender Regen unterstrich die allgemeine Traurigkeit der heutigen Veranstaltung auf dem Soldatenfriedhof am Niersenberg. Eine Delegation der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V. kam im Bergkittel mit Schachthut und schwarzer Feder, sie trugen jeweils eine brennende Wetterlampe. Der Kamp-Lintforter Ortsverband Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat die heutige Totengedenkfeier organisiert und nahezu 200 Gäste waren gekommen. Nachdem der Ortsverbandsvorsitzende Prof. Dr. Christoph Landscheidt – geschützt durch einen großen Regenschirm – die Anwesenden vor dem großen Holzkreuz begrüßt hatte, eröffnete der Männerchor des Kamp-Lintforter Kulturringes die Feierstunde mit einem musikalischen Appell.

 

Als Gastredner war Herr Halis Erkis gekommen, der einen Vortrag über die weltweite Bedrohung durch die Terror-Miliz IS hielt. Er schilderte die menschliche Not in den Kriegsgebieten, beschrieb einzelne Schicksale von Betroffenen, und mahnte eine menschenwürdige Integration der Kriegsflüchtlinge an.

 

Ergriffenheit machte sich breit, als Vertreter verschiedener Schützenbruderschaften, der Jugendfeuerwehr von Kamp-Lintfort, der Berufsfeuerwehr, des Ortsverbands Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Stadtverwaltung, sowie Mitglieder der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Kränze zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft niederlegten, und in einer Schweigeminute der Toten gedachten.

 

Vor andächtigen Gästen spielte ein Mitglied des Chores ein klangvolles Lied auf der Trompete.

 

Zum Schluss der Veranstaltung bedankte sich der Bürgermeister bei allen Gästen, die trotz der ungemütlichen Witterung an der heutigen Trauerfeier teilgenommen haben.