Ein immergrüner Ort für die Gefallenen

 

 

Das ganze Jahr über ist der Soldatenfriedhof Niersenberg in Kamp-Lintfort verborgen und kaum berührt. Doch am Volkstrauertag versammeln sich viele Menschen rund um das zentrale Kreuz.

 

Wer den schmalen, leicht rutschigen Steinweg zwischen den Grabfeldern betritt, für den wirkt die Welt draußen weit weg, obwohl die Bundesstraße 510 kaum 100 Meter entfernt ist. Niedrige graue Kreuze erheben sich aus einem Teppich von üppigem Ysander, der über alle Jahreszeiten hinweg seine tiefgrüne Farbe behält, ein Symbol für die Ewigkeit, wenn man so will. Lichtstrahlen fallen an diesem Morgen durch die Bäume und wirken im feuchten Nebel besonders eindrucksvoll.

 

Der Soldatenfriedhof Niersenberg ist wohl einer der stillsten Orte im Stadtgebiet von Kamp-Lintfort. „Hier ist es das ganze Jahr über ruhig“, sagt Nicole Kempkens. Belebt werde es nur zur Gedenkfeier, die am Sonntag, dem Volkstrauertag, wieder hier stattfindet – rund um das große Holzkreuz, auf das der Steinweg zuführt.

 

Nicole Kempkens ist als Betriebsleiterin beim Servicebetrieb ASK der Stadt für Friedhöfe zuständig. Die Stätte am Niersenberg wurde 1954 eingeweiht. Insgesamt 1.756 anerkannte Kriegsgräber befinden sich hier, die meisten von Opfern des Zweiten Weltkrieges: Soldaten, Bombenopfer, Unbekannte. Auch sieben Tote des Ersten Weltkrieges haben hier ihre letzte Ruhe gefunden – sechs Deutsche und ein Russe.

 

Hier und da entdeckt der Besucher Blumen und ein rotes Grablicht. „Es kommt vor, dass uns Verwandte Kränze schicken, mit der Bitte, diese auf das Grab zu legen“, berichtet Nicole Kempkens. „Wir machen dann Fotos und schicken diese zurück, damit die Menschen sich ein Bild machen können, wie ihre Angehörigen hier ruhen.“ Zum Glück ist dieser Ort von Vandalen bislang größtenteils verschont geblieben. „Nur vorne, wo sich der Adler aus Stein befindet, gab es mal Schmierereien“, sagt Nicole Kempkens.

 

Obwohl der Zweite Weltkrieg vor mehr als 68 Jahren endete, ist es für manche Angehörigen noch nicht vorbei. „Noch immer werden Gefallene gefunden, in Frankreich, in Russland …“, sagt Guido Roosen vom Hauptamt. Er ist Geschäftsführer der Ortsgruppe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Vorsitzende ist Bürgermeister Prof. Dr. Christoph Landscheidt. „Der Volksbund führt jedes Jahr die Haus- und Straßensammlungen durch, damit die Soldatengräber überall auf der Welt gepflegt und ausgebaut werden können.“

 

In Kamp-Lintfort erhalte der Volksbund dabei unter anderem große Unterstützung durch die Sankt-Michael-Schützenbruderschaft Saalhoff und die Jugendfeuerwehr. Wichtig ist für den Bund die internationale Zusammenarbeit bei der Kriegsgräberpflege, die auch ein Stück Arbeit für den Frieden ist (weitere Informationen unter www.volksbund.de).

 

Jedes Jahr am Volkstrauertag gibt es auf dem Friedhof eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung, bei der sowohl der Bürgermeister als auch Mitglieder der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V. im Bergkittel mit brennenden Grubenlampen sowie zahlreiche Bürger der Stadt teilnehmen.

 

Quelle: Rheinische Post vom 14.11.2013