„KIRCHE & KOHLE“ — Gläubigkeit

 

 

Das sind drei Begriffe, die im Ruhrgebiet zweifelsfrei zusammen gehören.

 

In den Anfängen des Bergbaus im Ruhrgebiet zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren noch keine Auflagen zum Arbeitsschutz geläufig, Unfälle waren daher an der Tagesordnung. Im Muttental bei Witten ist noch ein Bethaus von 1830 erhalten. In ihm versammelten sich seinerzeit die Bergleute zahlreicher Stollenbetriebe vor Schichtbeginn. Es diente als Andachtstätte, als Stempelplatz und als Aufbewahrungsort für das Arbeitsgerät. Es ist zudem ein Beleg dafür, dass die Bergleute bereits in damaliger Zeit gläubig waren.

 

Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Nordwanderung zunehmend zum Tiefbau übergegangen wurde, entwickelten sich Großbetriebe in vormals ländlichen Regionen. Der ständig wachsende Personalbedarf machte es notwendig, dass die Bergwerksgesellschaften für ihre Mitarbeiter und deren Familien geeigneten Wohnraum im Umfeld der Zeche schaffen mussten. Neben den Wohnsiedlungen entstanden nach und nach Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Sportplätze, Konsumläden und Kirchen. Häufig wurden die Kirchen nach ihrem Erbauer benannt. Im belgischen Kohlenrevier „Kempen“ wurde die Kirche von Beringen „Mijnkathedrale“ – also „Zechen-Kathedrale“ – genannt.

 

Von jeher war die „Heilige Barbara“ die Schutzpatronin der Bergleute. In Einzelfällen wurde die Statue der Heiligen Barbara auch unter Tage präsentiert. Auf der Zeche Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort stand sie vom 04.12.1985 bis zur Stilllegung auf der 885,-m-Sohle, und sollte die Bergleute vor Ort schützen.

 

Leider hat ihre Schutzfunktion mancherorts gänzlich versagt. Am frühen Morgen des 12. November 1908 ereignete sich ein Grubenunglück auf der Zeche Radbod in Hamm, das bis dahin schwerste des deutschen Steinkohlenbergbaus. Durch eine schwere Schlagwetterexplosion mit anschließendem Grubenbrand kam fast die gesamte Mannschaft mit 349 Kumpeln ums Leben, 35 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Skeptiker fragen sich: „Hatte die Heilige Barbara an diesem Tag eine Freischicht?“

 

Dennoch kann resümiert werden, daß die meisten Bergleute bis heute gläubige Menschen sind – gleich welcher Konfession. Auch die Mitglieder der Fördergemeinschaft kommen regelmäßig diesen traditionellen Würdigungen nach.