RVR-Tour „Zechenzauber“

am 07. Mai 2015

 

Das Ruhrgebiet liegt bei Städtereisenden voll im Trend. Die Zahl der Besucher wie auch die Übernachtungszahlen sind weiterhin im Aufwind und auch Gäste aus dem Ausland entdecken mehr und mehr die Region. Das Erbe der ehemals wichtigsten Industrieregion der Welt lädt heute dazu ein, von jedermann erlebt, bestaunt und besichtigt zu werden.

 

Der Regionalverband Ruhr (RVR) bietet gemeinsam mit dem Team von Ruhr Tour ein abwechslungsreiches Ausflugsprogramm. Unter dem Titel „Zechenzauber“ fand am 07. Mai 2015 eine Tagesfahrt an ehemalige Bergbaustandorte am linken Niederrhein statt. Unter der Leitung von Reinhard de Witt reisten 18 Teilnehmer per Reisebus aus Essen an.

 

Pünktlich um 09:45 Uhr trafen die Besucher im Maschinenhaus der Zeche Rheinpreussen / Schacht IV in Moers-Hochstraß ein, und wurden vom Elektroreviersteiger Josef Schröder standesgemäß im Bergkittel begrüßt. Das Kleinod gehört zum Grafschafter Museums- und Geschichtsverein Moers e.V.. Im Vortragsraum wurde den Gästen ein frischer Kaffee serviert, als Einstieg wurde ein historischer Schwarz-Weiß-Film über die Kohlegewinnung unter Tage gezeigt. Im Anschluss daran führte Josef Schröder, gemeinsam mit seinen Kollegen Bernd Glinka und Wolfgang Küppers, die Besucher in kleinen Gruppen durch das aufwendig restaurierte Fördermaschinengebäude. Nach einem Gruppenfoto auf der Außentreppe ging es mit dem Reisebus weiter zum nächsten Besichtigungspunkt.

 

Gegen 11:30 Uhr trafen die Besucher am Fördermaschinengebäude der ehemaligen Zeche Pattberg / Schacht 1 in Moers-Repelen ein. Dieses Gebäude gehört der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur aus Dortmund, der technische Leiter Paul-Walter Georgi begrüßte die Gäste recht herzlich. Die Zeche Pattberg wurde 1993 stillgelegt, das Maschinenhaus von 1932 mit seinen technischen Einrichtungen wurde unter Denkmalschutz gestellt. Die elektrische Fördermaschine und die zwei Umformeranlagen stammen aus dem Jahre 1912 und waren bis zur Stilllegung 1925 auf der Zeche Rheinpreussen / Schacht 2 in Duisburg-Homberg im Einsatz. Der erhaltene Teufenanzeiger sowie der Führerstand mit Bedienungshebeln und Instrumententafeln stammen wohl aus 1932.

 

Nach ausführlichen Erklärungen der historisch bedeutsamen Technik ging es dann weiter zur wohl verdienten Mittagspause ins Restaurant „Haus Bieger“ neben dem Kloster Kamp in Kamp-Lintfort. Die Inhaberin Petra Winter überraschte uns mit äußerst schmackhaften und vielfältig belegten Flammkuchen, einer Spezialität des Hauses.

 

Als alle Teilnehmer gut gestärkt waren, ging die Reise weiter zum Museum „Haus des Bergmanns“ in die Altsiedlung von Kamp-Lintfort. Dieses Museum wird betrieben durch die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V.. Die Vereinsmitglieder Jörg Kaenders und Ernst Ballmann begrüßten die Gäste an der Eingangstür. In der „Strecke“ im Keller hielt Jörg Kaenders einen kurzen Vortrag über die pioniermäßige Erschließung von Grubenfeldern am linken Niederrhein. Anschließend wurden die Besucher in zwei Gruppen aufgeteilt und durch das Museumshaus geführt. Das Haus des Bergmanns macht deutlich, wie in den 1930er Jahren die Bergmannsfamilien unter oftmals beengten Verhältnissen gelebt haben. Das Museum präsentiert eine Original-Ausstattung aus der damaligen Zeit.

 

Anschließend ging die Fahrt weiter zum letzten Besichtigungspunkt des heutigen Tages. Michael Kahlert und Detlef Lehmann, beides Mitglieder der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition, begrüßten die Gäste vor dem Lehrstollen des ehemaligen Bergwerks Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort. Nachdem alle Besucher mit Schutzhelmen ausgestattet waren, begann die Reise in die Untertagewelt des Bergbaus. Der Lehrstollen war Anfang der 1970er Jahre von Lehrlingen angelegt worden, und diente dazu, die Berglehrlinge für ihren späteren Untertage-Einsatz auszubilden. Der Lehrstollen ist etwa 260,-- m lang und bildet die Situation „unter Tage“ realistisch wieder. Sämtliche Anlagenteile sind auch heute noch betriebsbereit, so konnten Abbauhämmer, Bohrmaschinen, Druckluftlampen und die Einschienenhängebahn (EHB) den interessierten Gästen vorgeführt werden.

 

Um 16:45 Uhr kamen wir ziemlich erschöpft wieder ans Tageslicht. Eile war geboten, denn wir hatten den Terminplan um ¼ Stunde überzogen. Herr de Witt bedankte sich beim Gastgeber, die Teilnehmer bestiegen den bereits wartenden Reisebus und fuhren zurück nach Essen.

 

Die zweite Tour ist geplant für den 17. September 2015.