Montandenkmal Arthurstollen im Salzburger Land in Österreich

 

 

Das Schaubergwerk Arthurstollen befindet sich an der ältesten Fundstelle von Kupfererz in den Ostalpen zwischen Mühlbach am Hochkönig und Sankt Johann im Pongau und stellt ein Montandenkmal von internationaler Bedeutung dar. Für die Wissenschaft ist es der einzige Zugang zum bronzezeitlichen Kupferbergbau im Mitterberg-Gebiet. Durch seine Tiefe von mehr als 200 Metern und zahlreiche montantechnische Besonderheiten wie dem 3.700 Jahre alten Ingenieurbau ist der Arthurstollen weltweit einmalig. Durch die konservierende Wirkung der Kupferverbindungen blieben Holzeinbauten, Stempel und Bühnen ausgezeichnet erhalten. Der Stollen von 1907 diente zur Erschließung der Kupfererzvorkommen sowie zum Transport des Erzes von Mühlbach zum Hüttenbetrieb in Mitterberghütten.

 

Im Jahre 1928 erhielt der Arthurstollen noch eine weitere Funktion: In einer Rinne an der Sohle wurde Wasser des Mühlbaches für die Stromgewinnung in das Salzachtal übergeleitet. Wegen dieser Wasserführung blieb der Arthurstollen auch nach der endgültigen Schließung des Kupferbergbaus in den Jahren 1975 bis 1977 erhalten. Erst nach der Errichtung eines neuen Druckstollens zwischen Mühlbach und dem Salzachtal im Jahre 1988 verlor der Arthurstollen auch diese Funktion. Man wollte ihn verschließen.

 

Durch die Gründung des Vereins „Montandenkmal Arthurstollen“, der sich die Erhaltung der historischen Bergbauanlagen am Einödberg zum Ziel gesetzt hat, konnte die drohende Verschließung verhindert werden. Nach umfassenden Sanierungs- und Sicherungsarbeiten zwischen 1992 und 1995 konnte ein Stollenabschnitt von rund einem Kilometer Länge für Besucher zugänglich gemacht werden.

 

Nachdem die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V. bereits in den Jahren 2010 und 2011 zur Hilfestellung vor Ort im Einsatz war, lag ein weiterer Einsatz unserer Kollegen nahe. Im August 2012 war es dann wieder so weit.

 

Oberhalb des Stolleneingangs verläuft eine Forststraße, die für die Forstwirtschaft von existenzieller Bedeutung ist. Da der alte Holzausbau des Stollens den erheblichen Belastungen durch die schweren Forstfahrzeuge dauerhaft nicht standgehalten hätte, musste dieser durch einen tragfähigen Stahlausbau ersetzt werden.

 

Für diese bergmännisch anspruchsvollen Arbeiten forderte das Deutsche Bergbau-Museum Bochum / Abteilung Montanarchäologie die Hilfe der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition an. Ein erfahrenes Team aus vier Mitgliedern — bestehend aus Reinhold Erdmann, Herbert Gratzer, Udo Lohmann und Jürgen Willhuber — reiste im August 2012 nach Österreich.

 

Unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Stöllner wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten am Stolleneingang durchgeführt. Insgesamt etwa 12 Meter maroder Holzausbau mussten durch einen stabilen Stahlausbau ersetzt werden. In Schritten von jeweils zwei Bauen wurde der alte Ausbau geraubt und durch einen tragfähigen Stahlausbau ersetzt. Der neue Ausbau wurde ausgepfeilert und gesichert. Auf diese Weise wurde der marode Holzausbau schrittweise ersetzt. Nach Fertigstellung der Ausbauarbeiten wurden die neuen Baue mit Schaltafeln eingeschalt und abgespreizt. Anschließend konnten die stählernen Baue über Standrohre vollständig mit Fertigbeton hinterfüllt werden. Mit diesem aufwändigen Verfahren konnte sichergestellt werden, dass die Forststraße auch weiterhin mit schweren Maschinen und Fahrzeugen befahren werden kann, ohne den Zugang zum Arthurstollen zu gefährden.

 

Das Team der Fördergemeinschaft hat diese bergmännisch höchst anspruchsvollen Aufgaben zur Zufriedenheit aller Beteiligten erbracht. Für unsere Mannschaft war der zweiwöchige Einsatz in dem schönen Salzburger Land eine wichtige Erfahrung.

 

Gemeinsam mit dem Archäologen-Team waren unsere Kollegen in der Jugendherberge „Berghof“ in Mühlbach am Hochkönig untergebracht. Die gemeinsame Unterbringung hat dazu beigetragen, dass sich eine tolle Kameradschaft entwickelt hat, wie sie sonst nur unter Bergleuten als möglich gilt. Daher freuen sich alle Beteiligten auf weitere gemeinsame Herausforderungen.

 

Für die umfangreiche Projektplanung, Materialdisposition und vollständige Organisation war Robert Pils aus Bischofshofen verantwortlich. Robert Pils betreibt seit 30 Jahren Bergbauforschung und ist ein wichtiger Mitarbeiter des Forschungsprojektes Arthurstollen. Weitere Informationen finden Sie im Museum am Kastenturm mit seinem Schwerpunkt Montanarchäologie sowie im Internet unter www.museumamkastenturm.at

 

Wir sind glücklich, dass wir mit unserer Hilfe einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des historisch bedeutsamen Stollens erbringen konnten. Wir bedanken uns beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum und allen am Einsatz beteiligten Personen für das Vertrauen, das sie bei dieser Aufgabe in uns gesetzt haben. Schon heute sind wir gespannt auf weitere anspruchsvolle Einsätze im Salzburger Land.

 

Text & Fotos von Udo Lohmann