Die Kohle musste in die Stadt

 

150 Jahre Sparkasse in Kamp-Lintfort

 

Dr. Joachim Bonn, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Duisburg, zu der seit 2003 die Sparkasse Kamp-Lintfort gehört, ließ am 21.05.2015 vor dem geistigen Auge der Zuschauer ein lebendiges Bild entstehen: „Stellen Sie sich vor, sie betreten ein Geschäft in einem alten Backsteinhaus in der Nähe des Klosters. Eine schwere dunkle Ladentheke teilt den Raum in zwei Hälften, oberhalb des Tresens befindet sich ein geschwungenes Metallgitter.“ So war das am 21. Mai 1865, als die Bürgermeistereisparkasse Camp eröffnet wurde – 150 Jahre später feiert die Sparkasse Kamp-Lintfort dieses Datum.

Joachim Bonn verwies darauf, dass noch 1854 die Gründung einer Sparkasse abgelehnt wurde: „Keine Fabrikarbeiter, Tagelöhner verdienen zu wenig.“ Und so war der Aufschwung der Sparkasse wie der der ganzen Stadt auf das Engste mit der Zeche Friedrich-Heinrich verbunden – mit ihr zogen ab 1912 die Geschäfte an. Joachim Bonn quittierte das mit einem kleinen Wortspiel: „Die Kohle musste in die Stadt.“

Die Bergmänner erhielten – wie Manfred Stratenhoff, erster Vorsitzender der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V. – kundig ausführte, bis ins Jahr 1965 drei Mal im Monat ihre Lohntüte. Dann aber kam der bargeldlose Zahlungsverkehr. Vorbei waren die Zeiten, in denen das Geld am Zahltag in einer Holzkiste in die Lohnhalle getragen wurde; nun brauchte jeder Bergmann ein eigenes Konto. Heute aus Datenschutzgründen undenkbar, machte man es einfach: Die Zeche übermittelte alles an die Sparkasse, die Kumpel mussten nur noch unterschreiben. Und so platzte die Sparkasse Kamp-Lintfort pünktlich zum 100-jährigen Bestehen aus allen Nähten, denn Friedrich-Heinrich beschäftigte rund 8.000 Mann.

Heute im Jahr 2015 werden etwa 20.000 Girokonten geführt; Bürgermeister Prof. Dr. Christoph Landscheidt lobte die Sparkasse als Garanten der öffentlichen Daseinsvorsorge. Zudem seien nach der Fusion mit der Sparkasse Duisburg knapp zehn Millionen Euro in die Stadt geflossen – traditionell fördert die Sparkasse die Vereine, den Sport und die Kultur.

Nach dem Steigerlied wurde gemeinschaftlich durch die drei Laudatoren eine große Jubiläumstorte angeschnitten.

Der feierliche Rahmen wurde durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgerundet, die  in Pütthemden mit weißen Halstüchern und Vereinslogos gekleidet waren. Die Fördergemeinschaft würdigte das Jubiläum durch eine Ausstellung historischer Schwarz-Weiß-Fotos und ausgesuchter Bergbau-Utensilien, die in Glasvitrinen präsentiert wurden. Viele Gäste und Kunden erfreuten sich an den reichhaltigen Darbietungen. Auch für die Kinder war gesorgt.

 

Quelle:

WAZ vom 22.05.2015