Werner Adelt — Leiter des Cafés Knappenheim

 

Der Kaffee, den er jeden Werktag pünktlich um 08:30 Uhr in der Küche des Knappenheims aufbrüht, ist schwarz wie Kohle und nichts für schwache Nerven! Aber die fünf bis sechs Gesprächspartner, die regelmäßig jeden Tag in der Küche zusammenkommen, und die Besucher, die sich einstellen, nehmen ihn gern und dankbar an – zur Not kann man ihn ja mit Kaffeeweisser oder Zucker etwas entschärfen!

 

Werner Adelt wurde 1935 in Kamp-Lintfort geboren. Schon sein Vater war auf Friedrich Heinrich gewesen, zunächst unter Tage, dann auf der Kokerei. Er fiel im Krieg, und so lag es an Werner Adelt, für die Mutter und seine zwei Schwestern, hauptverantwortlich zu sorgen. Als der Schulbesuch beendet war, legte er 1951 auf Friedrich Heinrich an. Nach drei Jahren Lehre kam er als Knappe ins Gedinge, zunächst im Flöz Ernestine: 50 cm Mächtigkeit, arbeiten nur im Liegen! Das hat ihm gar nichts ausgemacht! Im Gegenteil: Als er später in ein Revier von zwei Metern Höhe kam, hatte er anfangs richtig Angst, wenn er sich vorstellte, was passieren könnte, wenn dort ein Stempel umkippen sollte.

 

1962 heiratete er seine Frau Marianne. Sie haben zwei Töchter und inzwischen eine Enkelin und zwei Enkel. Großes gemeinsames Hobby des Ehepaares Adelt ist der Schrebergarten an der Franzstraße. Werner Adelt zieht fast alle Blumen im Winter selbst vor, und seine Frau Marianne pflanzt sie aus und pflegt sie. Was dabei herauskommt, ist nach Meinung vieler der schönste Garten in der Anlage, in dem natürlich auch Kartoffeln und Gemüse wachsen und Obst heranreift. Die Frauen der Frauengruppe dürfen jedes Jahr im Adelt-Garten Brombeeren pflücken, um daraus köstlichen Fruchtaufstrich zum Verkauf auf dem Nikolaus-Markt zu kochen.

 

Werner Adelt war gerne Bergmann und in seinem Berufsleben in vielen Bereichen tätig: Er hat mit dem Pickhammer Kohle gemacht, geraubt, Stempel gesetzt, vom Steuerstand aus Schräm-Maschine, Hobel und Panzer gefahren. Mit 50 Jahren ging er aus dem Gedinge und war danach Anschläger am Schacht.

 

1991 verfuhr er seine letzte Schicht und trat gleich in die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V. ein. Und wie auf der Zeche machte er im Verein Vieles: Er baute mit an dem Bergwerksmodell, das heute im Museum steht, gab den Kalender mit heraus, war im Stand auf dem Nikolaus-Markt eingesetzt, trug mehr als zehn Jahre lang die Fahne, nahm an Arbeitseinsätzen in Fischbach, Imsbach und Bendisberg teil, war Beisitzer im Vorstand, tapezierte und strich gemeinsam mit Erwin Göttlich alle Räume im Knappenheim, als die Fördergemeinschaft dort ihre Bleibe fand, nahm mit seiner Frau Marianne an allen Reisen der Reisefreunde der Fördergemeinschaft und zu Bergparaden teil.

 

Mit den Jahren gebot die Gesundheit Einschränkungen; aber er ist immer noch fest eingebunden mit seiner täglichen Anwesenheit im Knappenheim, dem Kaffeekochen, dem Verkauf von Getränken bei Versammlungen und als Mitglied der Museums-Belegschaft.

 

Und wie wurde aus Werner Adelt der Kaffee-Werner? Der ehemalige erste Vorsitzende der Fördergemeinschaft, Harry Wansner, hatte ihn für den Verein angeworben; er zeigte dem Tee-Trinker Werner, wie man Kaffee kocht. So ging der Job des Kaffeekochens von Harry Wansner auf ihn über, und dabei ist es bis heute geblieben. Und nun wartet Werner Adelt freudig-gespannt darauf, wann und wie es im neuen Domizil Pumpenhaus auf dem Zechengelände mit der Fördergemeinschaft, dem Kaffee und ihm weitergehen wird.