Peter Bier Deutsches Rotes Kreuz

 

Peter Bier wurde 1936 in Magdeburg geboren und lebte dort bis 1945. Die Flucht über das Lager Friedland führte seine Familie und ihn schließlich nach Kamp-Lintfort, wo er 1951 als Berglehrling auf Friedrich Heinrich anfing. Der Lehrvertrag wurde aber bereits 1953 wieder aufgehoben, weil er wegen einer Kriegsverletzung zwar grubentauglich, nicht aber gedingetauglich war.

 

Die Kriegsverletzung zog er sich 1945, drei Tage nach der Kapitulation, zu, als er im Bleyle-Kommunionsanzug auf dem Rückweg von der Kirche an einer ehemaligen Flak-Stellung eine Panzerfaust fand, die in seiner Hand explodierte und ihm den rechten Daumen wegriss. Manche Lintforter werden sich an ähnliche Unfälle erinnern, die Kinder und Jugendliche unserer Stadt erlitten, wenn sie mit Munition hantierten, die zuhauf z. B. in den Schützengräben entlang der Straße nach Rheinberg lag. Bis heute erhält Peter Bier deswegen eine winzige Rente, die er dem Einsatz von Fräulein Röllchen zu verdanken hat, die als Werkschwester auf Friedrich Heinrich beschäftigt und auch im Roten Kreuz aktiv war und einigen Lintforter Lesern sicher noch im Gedächtnis ist.

 

Da die Zeche niemanden, der einmal auf Friedrich Heinrich angefangen hatte, einfach fallen ließ, wurde Peter Bier nach Aufhebung des Lehrvertrages nach über Tage verlegt. Dort arbeitete er sechs Jahre lang in der Kohlenwäsche.

 

Inzwischen war er, 1956, in das Deutsche Rote Kreuz eingetreten. Die Gründe dafür liegen in seiner eigenen Geschichte, in der Kriegsverletzung, bei der sogar die Amputation des Unterarms drohte und die glücklich ausgeheilt wurde, und in einem Bild, das sich ihm tief eingeprägt hat und bis heute begleitet: wie auf einer wilden Wiese hinter dem Haus, in dem die Familie Bier lebte, in der zweiten Magdeburger Bombennacht Helfer mit der Rot-Kreuz-Binde am Arm die weinenden, schreienden, verletzten Menschen versorgten.

 

Beim Roten Kreuz machte Peter Bier ab 1956 die Grundausbildung und dann Führungslehrgänge als Gruppen- und Zugführer und Lehrgänge als Ausbilder im Katastrophenschutz. 1960 erhielt er das Angebot einer Fortbildung im Krankenhaus Bethanien in Moers, das er sofort annahm. Neben seiner Arbeit auf der Zeche durchlief er dort bis 1963 alle Abteilungen und weiß aus dieser Zeit manche Schnurre zu erzählen, aber auch manche anrührende Geschichte, wenn er Kumpel von Friedrich Heinrich als Verletzte in Bethanien wiedersah.

 

Zu der Zeit gab es noch keinen Ausbildungsplan für Heildiener; aber die Zeugnisse vom Krankenhaus Bethanien wurden von der Berufsgenossenschaft anerkannt, und so wurde Peter Bier ab 1963 probehalber in der Verbandsstube auf Friedrich Heinrich als Urlaubsvertretung eingesetzt. 1965 wurde er ganz in die Verbandsstube verlegt und ein Jahr später angestellt. Er war als Heildiener auf Friedrich Heinrich, auf Norddeutschland und 20 Jahre lang auf Schacht IV in Hoerstgen tätig.

 

Beim Roten Kreuz war er inzwischen zum Kreisbereitschaftsführer im Kreis Moers gewählt worden, und 1979 wurde ihm die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland verliehen für den Aufbau des Katastrophenschutzes und seine Mitwirkung darin. Seine Mannschaft umfasste damals 120 Mann. Ihre Unterkunft war das alte Straßenbahn-Depot an der Moerser Straße. Darin stand auch ihr Gerät mit einem sehr hohen Einsatzwert.

 

1999 wurde ein Nachfolger gefunden, und Peter Bier kehrte als einfacher Helfer in den Ortsverein Kamp-Lintfort zurück, nachdem man ihn zum Ehren-Kreisbereitschaftsführer ernannt und mit einem überwältigen Candle-Light-Dinner verabschiedet hatte. Heute tut er im Lintforter Roten Kreuz alles, was nach der Satzung Menschen seines Alters in der Vereinigung gestattet ist: Vor- und Nachbereitung von Blutspendeterminen, praktische Einsätze, zum Beispiel bei Sportfesten, bei Veranstaltungen in der Stadthalle, bei Martinsumzügen, auf dem Nikolaus-Markt.

 

Peter Bier ist froh, dass er 1956 den Schritt ins Rote Kreuz tat. Er blickt zufrieden auf seine vergangene und gegenwärtige Tätigkeit dort. Natürlich gab es im Laufe der langen Mitgliedschaft Ärger, Enttäuschungen, traurige Situationen. Aber als immer wieder beglückend betrachtet Peter Bier die enge Zusammenarbeit mit Menschen, die eines Sinnes sind, die dasselbe Ziel haben, nämlich zu helfen. Und als immer neue Herausforderung und als immer wieder motivierend empfindet er das nie endende Lernen, sowohl auf medizinischem Gebiet als auch im zwischenmenschlichen Bereich im Umgang mit Menschen in Ausnahmesituationen.