Norbert Matek— Segler

 

Norbert Matek ist ein schönes Beispiel für das interessante Völkergemisch, das durch den Bergbau wie im Ruhrgebiet, so auch in Kamp-Lintfort entstanden ist. Die Eltern der Mutter kamen aus Ungarn, die des Vaters aus Jugoslawien.

Beide Großväter waren auf Friedrich Heinrich beschäftigt, der Vater auch. Norbert Matek jedoch wollte nicht zum Pütt; sein Traum-Beruf war Auto-Elekroniker. Aber er, geboren 1956, gehört zu den geburtenstarken Jahrgängen. Wunsch-Ausbildungsplätze waren schwer zu ergattern, und so legte er schließlich doch auf Friedrich Heinrich an, durchlief die übliche Ausbildung mit Hauer- und Knappenprüfung, besuchte die Steigerschule in Moers und wurde ziemlich bald zum Reviersteiger befördert.

2005 kam auch für ihn das frühe Ende des bergmännischen Berufslebens. Er hätte gerne noch weitergemacht; denn inzwischen war er nicht nur längst versöhnt mit seiner Berufswahl, sondern mit Liebe und Überzeugung Bergmann, hatte er doch die Chance gehabt, Verantwortung zu übernehmen, selbständige Entscheidungen zu treffen, mit Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen, vor allem mit Koreanern, Jugoslawen und Türken, zusammenzuarbeiten und im Umgang mit ihnen viel für sich persönlich zu lernen.

Um nicht in das gefürchtete „schwarze Loch“ zu fallen, bereitete er sich frühzeitig durch ein Seminar der RAG auf das „Leben danach“ vor und machte sich selbst viele Gedanken über die Gestaltung des neuen Lebensabschnittes. Er war schon immer dem Wassersport zugetan gewesen, und so beschloss er, sich dem Segeln zuzuwenden.

Er fand eine Essener Segelschule, die den theoretischen Unterricht in Moers und den praktischen Unterricht im Medienhafen Düsseldorf abhielt. Unter den Mitschülern lernte er nette Menschen kennen, mit denen gemeinsam er heute seine Segel-Törns unternimmt.

Zwischen 2006 und 2009 erwarb er, nach Unterricht und Prüfungen, alle Scheine, die zum Führen eines Segelbootes zwar nicht vorgeschrieben sind, solange der Hilfsmotor nicht mehr als 5 PS hat, aber für die eigene Sicherheit und die der Crew-Mitglieder sinnvoll sind und von Vercharterern auch verlangt werden.

Die Scheine sind die Sportboot-Führerscheine für Binnengewässer, für den Seebereich (3 Seemeilen) und der Seeschifffahrt-Küsten-Schein (12 Seemeilen), die Funkerscheine für Binnenfunk und Seebereich und der Pyro-Schein, d. h. die Genehmigung, in Notsituationen Leuchtraketen abzuschießen oder als Verantwortlicher abschießen zu lassen.

Norbert Matek hat kein eigenes Boot. Das ist, wenn man im Binnenland wohnt, einfach zu aufwändig und zu teuer mit Liegeplatz, Winterlager und Wartung des Schiffes. Zudem ist man gebunden, weil man immer vom selben Liegehafen aus starten muss. So segelt Norbert Matek auf Charter-Schiffen, die er nach der Homepage der Vercharterer und nach Telefongesprächen mit den Anbietern auswählt. In der Regel sind das Schiffe von ca. 13 m Länge mit 4 bis 5 Mann Besatzung, einem Mast, etwa 15 bis 16 Meter hoch, und zwei Segeln, der Fock und dem Großsegel, mit einer Segelfläche von insgesamt rund 70 m². Bei Vercharterern hat er bisher keinen Reinfall erlebt; er überführt inzwischen für sie Schiffe von A nach B, was sich immer gut mit einem Urlaub verbinden lässt. Seine Segelreviere sind das Ijsselmeer, die Ostsee, die Nordsee und das Gebiet der Nördlichen Sporaden in der Ägäis.

Die Frage nach seinem schönsten Törn kann er gar nicht beantworten. Jeder Törn hat seinen eigenen Reiz, seine eigenen Schönheiten und Herausforderungen. Ist er schon einmal in eine lebensgefährliche Situation geraten? Nein, in keine, die nicht noch beherrschbar gewesen wäre, wenn auch eine plötzlich heraufziehende Schlechtwetter-Front mit Windstärke 9 Schiff und Mannschaft einiges abverlangt. Am schönsten ist es, wenn nach dem Auslaufen aus dem Hafen eine Brise der Stärke 4 oder 5 in die Segel fährt, die Sonne scheint, Möwen über das Schiff gleiten und außer dem Rauschen des Wassers und des Windes nichts zu hören ist. Da weiten sich Horizont und Herz, der Mensch wird in seinem Inneren ganz ruhig, und seine Welt ist in Ordnung.

Ehefrau Almute, anfänglich ängstlich und skeptisch gegenüber dieser schwankenden, wackelnden, den wechselnden Wetterbedingungen so ausgesetzten Angelegenheit, ist derweil nach behutsamem Heranführen mit Freude und vollem Einsatz mit von der Partie. Wir wünschen ihnen beiden mit ihren Segelfreunden weiterhin schöne, erlebnisreiche Törns und dabei immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!