Manfred Braems Kaninchen

 

Schon die beiden Großväter und der Vater waren auf Friedrich Heinrich beschäftigt, und so war völlig klar, dass Manfred Braems, 1937 geboren und in Kamp-Lintfort aufgewachsen, zur Zeche ging. 1952 begann er als Berglehrling, und nach der Knappenprüfung 1955 wurde er als Lehrhauer angelegt. Nach einigen Jahren folgte die Hauerprüfung; anschließend arbeitete er in der Vorleistung, wurde Ortsmann, heute Drittelführer, und nach einem Fahrhauerlehrgang wurde er als Grubensteiger in der Vorleistung angestellt. 1985 erfolgte die Ernennung zum Reviersteiger im Transportrevier. In dieser Funktion hatte er auch den Dieselbetrieb zu beaufsichtigen. 1992, nach 41 Jahren auf der Zeche, ging er in den Vorruhestand. Im Rückblick sagt er: „Es war eine harte, aber schöne Zeit.“ Und ein großes Lob erhielt er im Nachhinein, als ihn auf einer Veranstaltung ein ihm völlig fremder Mann ansprach, ein neuer Fahrsteiger auf dem Bergwerk, wie sich herausstellte. So ordnungsgemäß geführte Transportstrecken habe er noch nirgendwo vorgefunden, pries er den dafür verantwortlichen Manfred Braems.

Mit dem Übergang vom Arbeits- zum Rentnerleben hatte er keine Probleme. Schon 1994 kam eine neue Aufgabe auf ihn zu: er wurde Leiter der Angestellten-Rentnergruppe Friedrich Heinrich. Und da waren natürlich seine Kaninchen, die ihn gut beschäftigt hielten.

Sein Vater hatte, wie viele Bergleute, Kaninchen als Schlachttiere gehalten. Vater und Sohn besuchten gemeinsam Kaninchen-Ausstellungen; somit war Interesse an den Tieren bei Manfred Braems von Anfang an gegeben. Der Auslöser seiner Züchter-Laufbahn allerdings war ein Nachbar, der Weihnachten 1958 mit einer Kleinchinchilla-Häsin vor der Tür stand. Er knüpfte aber Bedingungen an sein schönes Geschenk: Manfred Braems sollte in den Verein eintreten und mit der Häsin Nachwuchs ziehen. So geschah es dann auch: er wurde 1959 Mitglied im Kaninchenzuchtverein Kamp-Lintfort R 338. Alle Zuchtvereine sind im ZDRK, im Zentralverband Deutscher Rassekaninchen, zusammengefasst, und die Landeszugehörigkeit des Vereins wird durch den vorgesetzten Buchstaben deutlich, z. B. R für Rheinland oder B für Bayern.

Manfred Braems ließ auch, wie es die zweite Bedingung für das Weihnachtsgeschenk verlangte, seine Häsin belegen. 5,--DM Deckgebühr musste er zahlen — viel Geld in damaliger Zeit. Der erste Wurf bestand aus sieben Tieren, die Manfred Braems alle behielt, um mit ihnen weiter zu züchten.

Kamp-Lintfort war damals eine Hochburg der Kleinchinchilla-Züchtung; es gab sechs oder sieben Züchter dieser Rasse. Manfred Braems schaffte es schon im zweiten Jahr zum Vereinsmeister und hat nie mehr Deckgeld zahlen müssen! Er wurde noch oft Vereinsmeister, mehrfach Kreis- und Landesmeister. Und er blieb den Kleinchinchillas, nach zwei kurzen Abstechern zu anderen Rassen, treu, weil sie für ihn einfach schöne Tiere sind.

Bis Mitte der 1960-er Jahre war Friedrich Heinrich für die Kaninchen-Züchter, wie für alle anderen Kamp-Lintforter Vereine, ein verlässlicher und großzügiger Partner. Die Ausstellungen der Tiere fanden bei Gossens an der Rheinberger Straße statt. Der Wirt erhielt eine Tonne Koks oder Kohlen, der Verein dafür die Ausstellungsräume. Die Zeche stellte Lkw für den Transport der Tiere zur Verfügung, und es gab bei solchen Gelegenheiten auch immer einen „Umschlag“ für die Vereinskasse.

Manfred Braems züchtete nicht nur; er war auch im Verein aktiv. Von 1961 bis 1965 war er Jugendobmann, dann wurde er Schriftführer, bekleidete diese Funktion auch fünfzehn Jahre lang im Kreisverband Moers. Seit 1988 ist er Vorsitzender des Kamp-Lintforter Vereins, der heute 23 Mitglieder hat und mangelnden Nachwuchs beklagt. In der Hoch-Zeit gehörten ihm über 80 Züchter an!

Manfred Braems hat zwei Garagen, eine fürs Auto, eine für die Kaninchen. Darin hält er rund 50 Tiere. Die Ställe stehen in 3-er-Säulen übereinander. Unter jedem Stall befindet sich eine praktische Schublade, die mit Torf gefüllt ist, der mit einem Desinfektions-Mittel überpudert wird. Zu fressen bekommen die Tiere Heu und Trockenfutter. Heu lieben sie besonders; die Raufen sind schnell leer.

Als Züchter beschickt Manfred Braems regelmäßig Ausstellungen. Dazu müssen die Tiere geimpft werden. Fehlfarben, also Tiere, die zur Zucht nicht geeignet sind, werden geschlachtet. Er verkauft sie bratfertig an Bekannte, aber Geld ist damit nicht zu verdienen; der Erlös deckt nicht einmal die Futterkosten. Er verkauft natürlich auch Zuchttiere, lehnt es aber ab, den Trend zu überhöhten Preisen mitzumachen, der bei großen Ausstellungen, z. B. Bundesschauen, zu beobachten ist.

Frau Braems hatte in früheren Jahren keine Zeit, sich mit um die Tiere zu kümmern. Heute hilft sie gelegentlich beim Reinigen der Wassertröge oder füttert die Kaninchen, wenn ihr Mann verhindert ist. Von Anfang an aber gehörten die flauschigen Vierbeiner für sie ganz selbstverständlich zum Leben dazu, denn: „Ich habe meinen Mann ja schon mit Kaninchen kennengelernt.“ Urlaub können die Eheleute unbesorgt machen. In ihrer Abwesenheit tränken und füttern Freund Wilfried Rathner und Vereinsmitglieder die Tiere und säubern die Ställe.

Die Ausstellungen des Kaninchenzuchtvereins Kamp-Lintfort R 338 finden immer am dritten Wochenende im November statt. Vielleicht gehen Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, mal hin, um Manfred Braems´ Kleinchinchillas und die Kaninchenrassen der anderen Züchter zu bewundern?