Jürgen Wentz Wohnmobil

 

Ringstraße, direkt an der Zechenbahn – der Mann, der, 1944 geboren, dort aufwuchs, ist stolz darauf, ein „richtiger Kolonie-Bär“ zu sein. Aber trotz Familientradition – der Vater und die Großväter waren auf Friedrich Heinrich – und Zechennähe ging Jürgen Wentz nach der Schulzeit nicht zum Pütt, sondern durchlief eine Lehre als Bauzeichner bei der Bau-Unternehmung Willing. Nach Abschluss der Lehre und einem Jahr Berufsaufbauschule schlug dann doch die Stunde der Zeche. Jürgen Wentz absolvierte auf Friedrich Heinrich eine zweite Lehre, Betriebsschlosser, und musste anschließend erst einmal zur Bundeswehr. Nach seiner Rückkehr wurde er als Betriebsschlosser in der Aufbereitung angelegt, wo er zunächst gar nicht hin – Lärm, Dreck, Staub, Wasser – und dann nicht wieder weg wollte!

 

Es folgte durch den Besuch der Bergschule Moers und später eines Betriebsführerlehrgangs in Bochum ein kontinuierlicher Aufstieg vom Schichtsteiger über Reviersteiger, Fahrsteiger und Obersteiger zum Bereichs-Ingenieur. 1997 war Schluss für ihn, der sich selbst als Maschinenmann mit Leib und Seele bezeichnet; er wurde, obwohl er gern weitergemacht hätte, in den Vorruhestand geschickt.

 

Seit 1966 ist er mit seiner Frau Monika – im Sauerland geboren, in Lintfort aufgewachsen – verheiratet. Sie haben eine Tochter und einen Sohn und inzwischen drei Enkelsöhne, die gelegentlich den Haushalt der Großeltern kräftig aufmischen!

 

Ihre ersten Urlaube waren Zelt-Urlaube an der See in Holland. Das Zelt wurde nach einigen Jahren von einem Wohnwagen abgelöst, der in Wesel-Flüren stand. Aber wegen der Wechselschichten, die ein häufiges Hin- und Herfahren erforderten, erwies sich das als nicht sehr glückliche Lösung. 1991, zur Feier ihrer Silberhochzeit, erfüllten sich Monika und Jürgen Wentz einen lange gehegten Traum: eine Wohnmobil-Reise in den USA. Seit dieser Reise sind sie begeisterte Wohnmobilisten!

 

Als Camper sehen sie sich nicht, obwohl sie natürlich auf Camping-Plätzen übernachten oder stehen; sie sind Reisende, die für sich die ideale Art gefunden haben, etwas von der Welt zu sehen. Sie sind völlig frei in ihrer Urlaubsgestaltung, unabhängig von Abfahrts- oder Abflugzeiten, von Hotels und Restaurants. Sie können fahren, wann sie wollen, wohin sie wollen, bleiben, solange es Freude macht, und haben alles bei sich, was sie brauchen.

 

Ab 1991 mieteten sie fast jedes Jahr Wohnmobile, bis sie 1999 das erste eigene kauften, ein Hymer-Mobil mit Alkoven. Heute sind sie im Bürstner Quadro unterwegs, 6,74 m lang, 2,30 m breit. Das ist schon ein beachtlich großes Gefährt, ausgelegt für vier Personen, so dass Monika und Jürgen Wentz zu zweit Platz im Überfluss haben. Für Jürgen Wentz, der bei der Bundeswehr „Sprit-Fahrer“, Tankwagen-Fahrer, war, ist der Umgang mit dem Wagen kein Problem. Ehefrau Monika fährt nicht, ist aber aufmerksame Beifahrerin. In der Regel fahren sie nicht länger als 8 Stunden am Tag und machen zwischendurch ausreichend Pausen. Unterwegs zu einem Ziel übernachten sie nie freistehend allein irgendwo, sondern nur auf Stell- oder Camping-Plätzen, wo auch andere Wagen stehen. Auf all ihren Reisen haben sie keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht, weder Diebstahl, Überfall noch Vandalismus erleben müssen.

 

Sie und wir fragen nun gespannt, wo überall sie denn schon waren, und die Antwort wird lang und weckt Reiselust und Fernweh. Ziele in Deutschland und den Niederlanden steuern sie mehrmals im Jahr für kurze (10 bis 14 Tage) Reisen an. Längere Reisen (3 bis 5 Wochen) führten und führen sie nach Nordeuropa (bevorzugt nach Norwegen), nach West- (Großbritannien, Frankreich), nach Süd- (Spanien, Portugal, Italien) und nach Südost-Europa (Istrien, Kroatien, Griechenland). Die längsten Reisen, dort mit gemieteten Fahrzeugen, unternahmen sie in den USA (Kalifornien, Arizona, Utah, Nevada) und in Kanada (British Columbia).

 

Die USA und Kanada sind nicht unbedingt schöner als Europa; aber sie sind ganz anders. Allein die Größe der Staaten ist beeindruckend; die Entfernungen sind gewaltig; die Gebirge unterscheiden sich in Ausrichtung und Struktur von europäischen; der Verkehr verläuft viel entspannter; die Campingplätze sind zum Verlaufen riesig. Nachhaltige Eindrücke hinterlassen die Naturerlebnisse, und am Grand Canyon überläuft einen beim Hinunterschauen schon eine Gänsehaut. Es ist kaum vorstellbar, dass der Fluss tief dort unten diese grandiose Schlucht gegraben hat.

 

Gibt es ein Lieblingsziel, ein bevorzugtes Land oder eine bevorzugte Stadt? Jürgen Wentz macht ein ratloses Gesicht. Er und seine Frau finden überall Schönes, Interessantes, Neues. Wo immer sie sind, schauen sie sich alles an, was sehenswert ist, Natur und Kultur. Kirchen z.B. lassen sie nie aus, weil es sie immer wieder fasziniert, welche gewaltigen Bau- und Kunstwerke die Menschen früherer Zeiten ohne die heutigen technischen Hilfsmittel erschaffen haben. Aber genau so begeistert sind sie von schönen Landschaften und Naturschauspielen.

 

Erst nach einigem Überlegen also sagt Jürgen Wentz, dass Potsdam für ihn die Stadt zum Leben sein könnte, wenn er jemals aus Lintfort weg müsste. Sie liegt inmitten einer ruhigen Landschaft mit viel Wasser und Wald und ist durch Preußens Könige so wunderbar geschichtsträchtig. Man denke nur an Sanssouci mit seinem berühmten Terrassengarten, das Schloss, das nach des Königs eigenen Plänen für Friedrich den Großen erbaut wurde. Als Lieblingsecke seiner Frau macht Jürgen Wentz Tarifa aus, ganz im Süden Spaniens gelegen, dort, wo Afrika zum Greifen nahe ist. Benannt ist die Stadt nach Tarif oder Tarik ibn Malik, der hier 711 mit seinen Kriegern als erster Berber-Häuptling spanischen Boden betrat.

 

Haben Monika und Jürgen Wentz Zukunftspläne, Traumziele? Reisepläne für die Zukunft gibt es genug, und sie liebäugeln mit dem Gedanken, noch einmal durch Kalifornien zu fahren, den „Golden State“ am Pazifik mit San Francisco, Los Angeles, Hollywood und dem Yosemite-Nationalpark. Nur der lange Flug dorthin, 10 bis 11 Stunden, schreckt im Moment ein bisschen ab.

 

Liebes Ehepaar Wentz, keep the wheels rolling! Lassen Sie die Räder fröhlich weiterrollen auf Europas Straßen! — und vielleicht doch noch einmal in California? Wir wünschen Ihnen Glück für alle Reisen und Freude an allen neuen Er“fahrungen“ und Eindrücken.