Hans Wolf Angeln

 

Der Fischer

Fritz Grillparzer

(1791 – 1872)

 

Hier sitz ich mit lässigen Händen,

in still behaglicher Ruh,

und schaue den spielenden Fischlein

im glitzernden Wasser zu.

Sie jagen und gehen und kommen;

doch werf ich die Angel aus,

flugs sind sie von dannen geschwommen,

und leer kehr ich abends nach Haus.

 

Versucht ichs und trübte das Wasser,

vielleicht geläng es eh;

doch müsst ich dann auch verzichten,

sie spielen zu sehen im See.

 

Ja, auch Hans Wolf sieht den Fischen gern beim Spielen im Wasser zu; aber einige ihrer Art sieht er noch lieber, von seiner Frau Else gebraten oder als Kibbeling zubereitet, vor sich auf dem Teller liegen!

 

Er wurde 1936 in Kamp-Lintfort geboren und wuchs mit fünf Geschwistern auf. Als seine Schulzeit zu Ende war, gab es über die Berufswahl gar keine Diskussion. Schon die beiden Großväter waren auf Friedrich Heinrich gewesen – sie mussten den langen Weg von ihrem Wohnort Bönninghardt noch zu Fuß zurücklegen! Der Vater arbeitete dort, und so wurde auch der Sohn zur Zeche geschickt. Gern ging er nicht; aber das änderte sich schnell, und heute blickt er zufrieden auf seine 35 Jahre dort zurück, nach der Ausbildung immer als Hauer unter Tage auf Wechselschicht, nur in den letzten beiden Jahren auf Frühschicht.

 

Zwei schlimme Unfälle hat er erlebt: einmal ist er beim Betonieren im Schacht abgestürzt, ein anderes Mal mit einer Lok umgekippt. Aber dank der heiligen Barbara oder eines Heeres von Schutzengeln hat er sie, bis auf Schock-Zustand, Hautabschürfungen und einige blaue Flecke, heil überstanden!

 

Mit allem, was Hans Wolf heute macht, hat er schon in jungen Jahren begonnen: Camping – noch ohne jede Art von Behausung an Baggerseen –, Angeln – mit dem Vater am Rhein – und hämmern, nageln, sägen, was anfiel. Auch seine Frau hat er früh geheiratet, „und wir lieben uns noch wie am ersten Tag.“ Gibt es Schöneres, das ein Ehemann nach über 50 gemeinsamen Jahren sagen kann? Sie haben eine Tochter und vier Enkelkinder, die schon groß und wohlgeraten und die Freude und der Stolz der Großeltern sind.

 

Beim Hämmern, Nageln, Sägen hat sich Hans Wolf an alles rangetraut und wahre Meisterstücke aus Holz und Metall gefertigt: große und kleine schmiedeeiserne Tore, Lampen aus Metall und Holz, die eigene Garderobe, den Fernsehtisch, den Schreibtisch für den ersten Enkel.

 

Als vor einigen Jahren krankheitshalber große, schwere Arbeiten nicht möglich waren, hat er sich auf kleinere Bastelarbeiten verlegt. An Phantasie und Geschick mangelt es ihm nie. Große Nutznießerin dieses Schaffensdranges ist seine Tochter, die Kindergärtnerin ist. Für den Kindergarten baut er Spielzeug und bastelt jahreszeitliche Dekorationsartikel, die die Kinder mit nach Hause nehmen dürfen.

 

Der damalige 1. Vorsitzende der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V., Harry Wansner, hat ihn für den Verein angeworben, und gleich bei seinem ersten Besuch im Knappenheim hat ihn Günter Resch für die Werkstatt rekrutiert. Dort haben die beiden jahrelang gemeinsam gewerkelt, geschraubt, gefeilt, repariert, Grubenlampen wieder zum Brennen und Strahlen gebracht.

 

Beim Camping war der erste Fortschritt natürlich ein einfaches Zelt. Inzwischen leben die Wolfs schon lange in einem komfortablen Wohnwagen, der zunächst einige Jahre in Obermörmter stand, bis ein Umstellen nach Cuijk erfolgte auf eine Parzelle von 130 m² mit Platz genug für Wohnwagen, Vorzelt, Auto und Boot. Sie verbringen alle Sommer dort, und Hans Wolf geht an der Maas und den umliegenden Baggerseen seinem größten Hobby nach, dem Angeln.

 

Welches Bild haben Sie vor Augen, wenn Sie an einen Angler denken? Sie sehen wahrscheinlich einen Mann vor sich, der allein an einem stillen Gewässerrand sitzt, stundenlang regungslos die Angel in der Hand hält und geduldig auf einen „Biss“ wartet.

 

Oh nein, sagt Hans Wolf, beim Angeln gibt es viel zu tun: Angeln auswerfen, einholen, umstellen, Fänge an Land ziehen, sie gleich für die Pfanne präparieren. Man kann ganz schön ins Schwitzen geraten beim Angeln, und so sei es durchaus nicht falsch, beim Angeln von „Sport“ zu sprechen, wenn der Begriff „Sport-Angeln“ auch eigentlich zur Unterscheidung von der Berufsfischerei benutzt wird.

 

Um angeln zu dürfen, muss man sich bei uns einer Ausbildung und Prüfung in Wesel unterziehen und erhält dann einen Ausweis. In Holland erwirbt man die Angelberechtigung jährlich durch den Kauf einer kleinen Karte und eines Heftes, in dem vermerkt wird, wo man welche Fische womit angelt.

 

Zur Ausrüstung von Hans Wolf gehören ein Käscher, eine Handangel, zwei Grundangeln, Stativ, Stuhl und Schirm, warme Kleidung und Stiefel. Er angelt Raubfische (Zander, Hecht und Barsch) und die zu ihrem Fang notwendigen kleinen Köderfische.

 

Wenn er erzählt, werden die von ihm gefangenen Fische nicht immer größer, wilder und schwerer. Er behauptet auch nicht, betörend schöne fischschwänzige Nixen beim gemeinsamen Spiel im Wasser beobachtet zu haben, Angler-Latein mutet er seinen Zuhörern nicht zu, obwohl auf dem Stammtisch ein Schild steht mit der Aufschrift „Hier sitzen Jäger und Angler und andere Lügner“!

 

Aber er weiß von Veränderungen in der Natur zu berichten. So kann er z.B. in der Maas keine kleineren Köderfische mehr fangen, weil die alle von einer eingewanderten Fischart weggefressen werden. Schon immer wurden fremde Pflanzen und Tiere wissentlich eingeführt, unwissentlich eingeschleppt oder wanderten ein. In unserer Zeit des globalen Verkehrs und der Klima-Veränderung tritt das verstärkt auf. Zum Teil verdrängen die neuen Arten die einheimischen, weil sie gute Lebensbedingungen vorfinden, weil sie robuster sind oder weil sie keine natürlichen Feinde haben.

 

Mit herzlichem „Petri Heil“ wünschen wir Hans Wolf, dass sich die von ihm geschätzten Speisefische in den Gewässern behaupten können und ihm weiterhin zahlreich an die Angel gehen!