Günter Resch Bergbau-Artikel

 

Günter Reschs Vater Johann kam 1920 aus dem kleinen Ort Bescheid im Hunsrück, der außer wenigen Arbeitsmöglichkeiten in der Landwirtschaft keine weiteren zu bieten hatte, an den Linken Niederrhein nach Kamp-Lintfort, um auf der Zeche Friedrich Heinrich zu arbeiten. Er blieb bis zum Beginn seines Rentenalters 1959 auf der Schachtanlage und starb 1974 an Silikose, wie so viele Bergarbeiter seiner Generation.

Aus seinen beiden Ehen gingen fünf Kinder hervor, ein sechstes adoptierte er. Von den drei Gebrüdern gingen zwei ebenfalls in den Bergbau.

Günter Resch fing 1952 als Berglehrling auf Friedrich Heinrich an, wurde Knappe und bestand die Hauer-Prüfung. Bis zum Ende seines Arbeitslebens im Jahre 1990 hat er immer unter Tage gearbeitet, anfangs in Wechselschicht, später meistens auf Frühschicht, dann als Schachtsteiger auf Nachtschicht, an die er sich aber nie recht hat gewöhnen können. Seine Bergmannslaufbahn schloss er als Reviersteiger ab.

 

Zunächst wohnte er natürlich noch bei seinen Eltern und gab seinen gesamten Verdienst zu Hause ab. Als 20-Jähriger hat er mit seiner Mutter heftig ringen müssen, weil er zum ersten Mal 20 Mark für sich haben wollte, um mit Kumpeln ein Bier trinken gehen zu können. Sie fand das, wenn es schon sein musste, entschieden zu viel, gab aber schließlich doch nach! Der Verdienst als Hauer war gut: Der Tariflohn pro Schicht betrug 16,35 DM; aber im Gedinge konnte ein Hauer etwas mehr als 36,00 DM erreichen.

Den ersten Anstoß zu seiner späteren Sammelleidenschaft erhielt Günter Resch durch seinen damaligen Steiger Felix van den Berg, der 30 ausrangierte Benzin-Grubenlampen „Friemann & Wolf 400“ erhalten hatte und nicht wusste, was er mit den vielen Lampen anfangen sollte. Er fragte Günter Resch, ob er ihm welche abnehmen würde, und der übernahm 10 der Lampen. Er war höchst erstaunt, als er sie in kürzester Zeit alle wieder los war: Das Interesse an Grubenlampen war groß!

 

Richtig gepackt aber hat es Günter Resch bei einem Ungarn-Urlaub 1991, den er wegen der Schwefelquellen in Harkany verbrachte. In der Nähe liegt der Ort Pesz (Fünfkirchen), in dem jede Woche von Donnerstag bis Sonntag ein Trödelmarkt stattfand, eine wahre Fundgrube für Sammler aller Art, auch für Sammler von Bergbau-Artikeln. Bis 2004 fuhr Günter Resch jedes Jahr mit seiner Frau nach Ungarn und hat mit seiner Begeisterung viele Mitglieder der Fördergemeinschaft mitgerissen: In manchen Jahren fuhren acht oder neun Ehepaare, darunter waren z. B. das Ehepaar Wansner, das Ehepaar Wolf, das Ehepaar Spitzer, nach Ungarn und kamen mit Schätzen hoch beladen zurück!

Seiner Frau Margarete zuliebe gab Günter Resch die Ungarn-Fahrten auf; seither ist er ständig auf Entdecker-Tour auf Trödelmärkten, z. B. in Rheinberg, Ruhrort, Gelsenkirchen. Er erwirbt dort alles, was mit Bergbau zusammenhängt: Lampen, Figuren, Schwibbögen, Förderwagen, Bilder, Uhren. Wo immer er ein Bergbau-Motiv entdeckt, ist er interessiert.

Natürlich kann er nicht alle Stücke selbst behalten, und so lässt er sie sich wieder abschwatzen. Er hat aber nie ein „Geschäft“ aus seiner Erwerbs-Leidenschaft gemacht; er gibt die Dinge, die er auf Trödelmärkten kauft, an Interessierte, deren es immer genug gibt, zu dem Preis weiter, den er selbst gezahlt hat. Für ihn besteht der Reiz vorrangig im Entdecken und Handeln. Und um einen Verkäufer zum Verkauf zu bewegen, verlässt er auch den Stand, wenn ihm die Forderung zu hoch ist, kehrt aber nach einer Stunde oder auch zweien zurück, um erneut zu verhandeln. Auf diese Weise hat er schon so manches „Schätzchen“ auf einen Bruchteil seines Wertes herunterhandeln können!

Einen Tipp für Trödelmarkt-Besucher hat er auch parat: Wenn ein Verkäufer von irgendetwas nur ein Exemplar hat, sollte man versuchen, das Geschäft zu machen; denn der Verkäufer hat in der Regel keine Ahnung vom tatsächlichen Wert des Objektes!

Was, wenn Günter Resch erzählt, sich so einfach anhört: sehen, handeln, kaufen ― setzt natürlich große Sachkenntnis und handwerkliches Geschick voraus. Über beides verfügt er in hohem Maße: Er erkennt gute und seltene Angebote, und wenn eine Grubenlampe oder ein Schwibbogen einen Defekt haben, bekommt er das wieder hin!

Was nun hat der Sammler Günter Resch zu Hause in einem wohnlich eingerichteten großen Kellerraum, im Wohnzimmer, im Wintergarten? Von allen Bergbau-Artikeln sieht man bei ihm schöne und rare Exemplare. Anfangs hat er alle Lampen zwei Mal pro Jahr poliert, jetzt aber reicht auch einmal im Jahr, damit sie strahlen und funkeln und eine wahre Augenweide sind.

Als seine liebsten Sammelstücke nennt er:

- eine Uhr vom Großvater mütterlicherseits. Die Familie kam ursprünglich  aus Polen und hat in Herne noch die Diffamierung als „Polacken“ erleben müssen. Es ist eine Wanduhr. Sie zeigt über dem Zifferblatt zwei kniende Hauer, die ein Schild mit der Aufschrift „Glückauf“ halten.

 

― eine polnische Grubenlampe von 1910/11, ganz ohne Messing; denn das wurde in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg infolge des Wettrüstens in Europa und Russland bei der Herstellung von Geschützen benötigt.

 

― eine Grubenlampe der Firma Seippel, die ihm ein Freund kurz vor seinem

erahnten Tod schenkte, damit er sie in Ehren halte. Das tat Günter Resch. Er ließ sie bei der Beerdigung brennend auf den Sarg stellen. Und das tut er noch heute: jedes Jahr am Todestag des Freundes zündet er sie an und lässt sie zu seinem Gedenken leuchten.

Günter Resch macht weiter, solange es seine Gesundheit erlaubt (der Arzt ist zufrieden!), und wir wünschen ihm und seinen dankbaren Abnehmern, darunter auch unser Museums-Lädchen und unsere zwei Stände auf dem Nikolaus-Markt, noch viele glückliche und erfolgreiche Jahre des Suchens und Findens!