Fritz Scheppat — Graphiker und Medailleur

 

 

Die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V. hat mehr als 600 Mitglieder, und sie hat „ein“ Ehrenmitglied. Dieses Zahlenverhältnis legt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Ehrenmitglied um einen außergewöhnlichen Menschen handeln muss, und diese Vermutung ist absolut richtig!

 

Fritz Scheppat wurde 1923 in Moers geboren. Kaum 18 Jahre alt, ereilte ihn das Schicksal vieler junger Männer seiner Generation: Er musste als Soldat an die Front, wurde zwei Mal verwundet und geriet schließlich in russische Kriegsgefangenschaft. 1950 kehrte er heim.

 

Neun furchtbare Jahre lagen hinter ihm. Aber er packte sein Leben entschlossen an und absolvierte eine Buchbinderlehre in der Verwaltung des Steinkohlen-Bergwerks Rheinpreußen in Homberg, verbunden mit einem Praktikum in Schriftsetzerei, Buch- und Offsetdruck und Reprofotografie bei der Agfa in Leverkusen. Daran schloss er ein Grafikstudium an und wurde zum Leiter der graphischen Abteilung bei Rheinpreußen in Homberg.

 

Rheinpreußen bot ihm ideale Arbeitsbedingungen und Betätigungsfelder. So war er Mitglied des Betriebsrates und im Ausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheit aktiv. Er befuhr zahlreiche Bergwerke in Deutschland, auch in England, Schottland und der Türkei und wurde profunder Bergbau-Kenner.

 

Nahezu nebenbei eignete er sich umfassendes Wissen an. Ob Geschichte, Geographie, Philosophie, Politik, Lokal- oder Weltgeschehen, Sie brauchen nur anzutippen, und die erstaunlichsten Detail-Kenntnisse sprudeln aus ihm heraus. Fragen Sie ihn nach ägyptischen Pharaonen, Etruskern und Römern, nach deutschen Kaisern oder Moerser Grafen; er wird Ihnen zu allen spannende, auch wenig bekannte, Fakten erzählen können, die manchen Historiker verblüffen würden.

 

Er betätigte sich auch schriftstellerisch. So stellte er für die Fördergemeinschaft das Heft „Berg(er-)bauliches“ zusammen, eine bunte Mischung von Wissenswertem zum Bergbau, und schrieb zahlreiche Gedichte, z. B. „Gebet zur Mettenschicht“ oder „Rheinpreußen IV – Disko PM“. Wenn Sie hinter diesem Titel Gejammer und Klagen über die Schließung der Schachtanlage und die moderne Nutzung der Gebäude vermuten, irren Sie. So sieht Fritz Scheppat die Welt nicht. Er gedenkt der Kumpel, die hier hart gearbeitet haben, und lässt die, die in der Grube verunglückt sind, dem oben feiernden jungen Volk ein „fröhlich herzliches ‘Glückauf’ “ wünschen.

 

Von dem Grafiker Scheppat stammen zahlreiche Zeichnungen mit Bergbau- und Niederrhein-Motiven und viele Bergbau-Embleme, auch das der Fördergemeinschaft und das ihrer Fahne.

 

Vor allem aber sind seine Medaillen hervorzuheben. Weit über einhundert verschiedene Bergbau-Medaillen hat er entworfen, die in Zusammenarbeit mit der Firma B. H. Mayer und dem Modelleur Werner Godec, beide Pforzheim, in Gold, Silber und Tombak (eine Kupfer-Zink-Legierung) geprägt wurden. Im „Müseler“, dem Weltstandardwerk der Bergbaugepräge (Münzen und Medaillen) werden ihre Namen fast zweihundertmal genannt.

 

Fritz Scheppat hat der Fördergemeinschaft zahlreiche Medaillen als Dauerleihgabe überlassen, die im Knappenheim und im Museum „Haus des Bergmanns“ anzuschauen sind. Zum 10-jährigen Bestehen des Vereins 1997 fertigte er den Entwurf für eine sehr schöne Medaille an mit der heiligen Barbara auf der einen und einem Schwibbogen mit 10 brennenden Kerzen auf der anderen Seite.

 

Für die „Grafschafter Münzfreunde Moers e.V.“ entwarf er eine Medaillenserie, auf der alte Moerser Münzen dargestellt sind, desgleichen 20 Bergbaumedaillen zur Geschichte des Bergbaus, die auch Vorlage zum Druck eines Kartenspieles wurden.

 

Die Medaille zum 50-jährigen Jubiläum des Landes Nordrhein-Westfalen (1996) ist ebenso sein Werk wie diejenige zur Einweihung der Landmarke „Geleucht“ von Professor Otto Piene auf der Halde Rheinpreußen 2007. Die RAG gab bei Zechenschließungen zahlreiche Erinnerungsmedaillen bei ihm in Auftrag.

 

Sein kreativer Geist entwickelte bei der großen Anzahl von Medaillen immer neue Gestaltungsideen und –möglichkeiten. Je kleiner ein Gegenstand ist, desto größer sind die Herausforderungen an Sorgfalt und Präzision, die Fritz Scheppat bei all seinen fein ziselierten Entwürfen immer in höchstem Maße erfüllt hat.

 

Auch heute – er ist fast 90 Jahre alt und Bewohner des Seniorenheimes Bethanien – ruhen seine geschickten Hände und sein künstlerisches Gespür nicht. Er nimmt im Haus an angebotenen Kursen teil. Die Muster seiner akkurat geflochtenen Körbe zeigen nicht die kleinste Abweichung, und Mit-Teilnehmer eines Kurses in Seidenmalerei nehmen seine Tipps zur Farbenwahl gerne an.

 

Wir wünschen Fritz Scheppat weiter schöne Jahre in Zufriedenheit und geistiger Frische! Und wenn er, wie jeder von uns, eines Tages gehen muss, so wird er als ein ganz besonderer Mensch und Schöpfer wunderbarer Medaillen unvergessen bleiben.

 

Text: Hanna Walgarth

 

Fotos: Dirk Thomas