Eberhard Rausch— Medaillen

 

Ich wurde 1943 in Westpreußen geboren. Als Flüchtlinge kamen meine Eltern und ich nach dem Krieg nach Schleswig-Holstein. 1951 bekam mein Vater in Bocholt in Westfalen eine Anstellung bei der Stadt als Beamter. Ich machte dort eine Lehre als Maurer. Nach meiner Bundeswehrzeit habe ich 1965 eine Umschulung zum Industriekaufmann in Duisburg absolviert, wo ich auch heute noch wohne. Bis zu meiner Rente habe ich als Abteilungsleiter in der Buchhaltung eines weltweit operierenden Maschinenbauunternehmens gearbeitet.

 

Mein eigentliches Sammelgebiet sind Grubenlampen. Als ich Anfang 1969 mit meiner Frau nach Duisburg zog, gab es auf unserer Fußgängerstraße, dem Sonnenwall, das Geschäft „Schilder Hentschel“. Dort stand das Replikat der Benzinsicherheitslampe — Typ 400 von Friemann & Wolf in Messing im Schaufenster. Diese Lampe hat mich derart fasziniert, dass ich den Wunsch hatte, eine solche „goldfarbene“ Lampe zu besitzen. Sie kostete mehr als eine Monatsmiete, was ich mir zu der Zeit nicht leisten konnte. Jahre später habe ich bei einem Freund eine solche Lampe auf einer Eckbank gesehen und beschlossen, mir auch so etwas „Schickes“ zuzulegen.

 

Da ich „bergfremd“ bin, d. h. nie im Bergbau beschäftigt war, habe ich Anfang 1995 einen Aufnahmeantrag für die Fördergemeinschaft gestellt. Davon erhoffte ich mir, mich mit anderen Lampensammlern austauschen zu können, da bis vor etwa 20 Jahren das Literaturangebot zu Lampen doch eher dürftig war. Diese meine Hoffnung wurde mehr als erfüllt, da es in dieser Gemeinschaft mehrere Sammler gibt. Erwähnt seien hier in alphabetischer Reihenfolge nur einige: Ernst Kausen, Dieter Krämer, Jürgen Paul, Hans-Wilhelm Penker, Günter Resch. So habe ich nach einer Neuerwerbung einer Lampe immer kompetente Ansprechpartner, mit denen ich trefflich fachsimpeln kann.

 

Auf einem Trödelmarkt in Duisburg-Meiderich fiel mir vor ca. 25 Jahren die erste Medaille aus der Reihe „Geschichte des Bergbaus“ mit dem Titel „Grubengeleucht“ in die Hände. Von dieser Medaille war ich so begeistert, weil auf ihr die gesamte Palette bergmännischen Geleuchts vom Kienspanhalter bis zur Akku-Kopflampe abgebildet ist.

 

In der Betriebssportgruppe der STEAG in Duisburg war ich in der Leichtathletikabteilung, um mich auf die Erlangung des Sportabzeichens vorzubereiten. Durch einen Sportkameraden wurden mir einige Jahre später — bis auf zwei Ausnahmen — alle bis dahin erschienenen Medaillen aus dieser Reihe zum Kauf angeboten. Die zwei fehlenden Stücke habe ich dann auf den Treffen der Grafschafter Münzfreunde direkt bei dem Medailleur Fritz Scheppat, dem Ehrenmitglied unserer Fördergemeinschaft, erworben. Mich haben die Brillanz und Ausdrucksstärke dieser beidseitig gestalteten Medaillen beeindruckt. Ich besitze alle zwanzig erschienenen Exemplare dieser Serie, die leider im Jahre 2000 eingestellt wurde.

 

Die bergbaubezogenen Medaillen werden zu den verschiedensten Anlässen, z. B. zu Zechenzusammenlegungen, –jubiläen, –stilllegungen, Bergmannstagen etc. geprägt bzw. herausgegeben.

 

Besonders wertvoll werden Medaillen entweder durch das verwendete Material wie Gold oder Silber oder durch geringe Stückzahlen. Üblicherweise werden sie in Tombak, einem Mischmetall aus Kupfer und Zink, oder Messing geprägt.

 

Ich möchte nachfolgend einige interessante Stücke meiner Sammlung vorstellen:

 

Ein ganz besonderes Exemplar der oben bereits erwähnten Serie ist die schraubbare Medaille „Bergparade“. Nach Auskunft des Medailleurs ist diese Art der Medaille, die man aufschrauben kann, einmalig. Im Inneren ist ein Faltband aus Papier mit einigen Abbildungen der Medaillen untergebracht. Dieses Exemplar ist etwas dicker als die Normalversion, aber so präzise gefertigt, dass ein Laie kaum erkennen kann, dass es sich hierbei um eine Schraubmedaille handelt.

 

Ein weiteres schönes Stück ist die Gedenkmünze „Tiefer-Julius-Fortunatus-Stollen“ der Preussag aus dem Jahre 1986. Diese wurde anlässlich des vor 500 Jahren von weitsichtigen Unternehmern in Angriff genommenen Stollens herausgegeben, der den Rammelsberger Gruben aus ihrer Wassernot helfen sollte. Hierbei galt es, das ganze Stollensystem zu entwässern. Diese wasserabführenden Stollen werden Erbstollen genannt.

 

Ein sehr seltenes Exemplar ist die Medaille, deren Vorderseite zur Einweihung der Landmarke Geleucht am 17.09.2007 auf der Halde Rheinpreussen graviert wurde. Zur feierlichen Einweihung wurde sie dem Künstler Professor Otto Piene, der die Grubenlampe entworfen hat, von Fritz Scheppat überreicht. Die Rückseite ist geprägt und zeigt die Heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute. Von dieser Medaille gibt es nur 15 Exemplare.

 

Das Highlight meiner kleinen Sammlung stellt ein sächsischer Ausbeutetaler aus dem Jahre 1784 dar. Im Gegensatz zu den Medaillen handelt es sich hierbei um eine Münze, die in vergangenen Zeiten als Zahlungsmittel galt. Ausbeutetaler wurden immer dann geprägt, wenn eine Grube Gewinn erwirtschaftete. Sie wurden dann an die Gewerken, das sind die Anteilseigner an der jeweiligen Grube, im Verhältnis ihrer Anteile verteilt.